Welt : Doppeltes Happy-End im Eismeer

Einhandsegler nach vier Tagen von Wracks geborgen Sydney (Ha/dpa/AP) Bei einer der dramatischsten Rettungsaktionen der jüngeren Segelsportgeschichte hat es am Donnerstag ein doppeltes Happy-End gegeben.Die australische Marine bewahrte zwei Teilnehmer der "Vendee Globe"-Regatta für Einhandsegler vor dem sicheren Tod im eiskalten Wasser nahe der Antarktis, nachdem die Jachten des Briten Tony Bullimore und des Franzosen Thierry Dubois am Sonntag im schweren Sturm gekentert waren. Besonders erstaunlich war die Art, wie der 56jährige Bullimore überlebte.Er hatte sich vier Tage lang in der - vom Wasser abgeschotteten - Kajüte im Rumpf seines gekenterten Bootes verborgen gehalten.Die sechs Retter in einem Schlauchboot waren nicht einmal sicher, ob sich der Schiffbrüchige überhaupt in seinem Boot befand, als sie gegen Mittag auf den Rumpf klopften und riefen: "Hallo, ist da jemand?" Bullimore gelang es, das Türschott gegen den Wasserdruck aufzustemmen und seinen Rettern entgegenzuschwimmen. In guter englischer Tradition bat er als erstes um eine Tasse heißen Tees, nachdem er seine Retter in die Arme geschlossen hatte.Kapitän Raydon Gates, Kommandant der Fregatte "HMAS Adelaide", die zur Rettung aus dem 3300 Kilometer entfernten Perth herbeigeeilt war, meinte, Bullimore habe "unglaubliche Ausdauer" bewiesen.Der überaus erfahrene Segler hatte dasgetan, was die Retter erhofft hatten: nämlich bei seinem Boot auszuharren.Denn das ist leichter zu orten als ein im Wasser treibender Mensch. Der 29jährige Dubois hatte die Zeit seit dem Kentern seines Bootes "Amnesty International" vergleichsweise konfortabel zugebracht.Er hatte sich anfangs zwar 24 Stunden lang bei bis zu zwölf Meter hohen Wellen an den Rumpf seiner gekenterten Jacht geklammert, nach dem Abwurf einer Rettungsinsel durch ein Marineflugzeug am Montag aber im Trockenen gesessen und Funkkontakt mit seinen Rettern gehabt.Ein Marine-Hubschrauber brachte ihn schließlich in Sicherheit. Beide Segler sind nach der langen Zeit bei drei Grad kaltem Wasser und Außentemperaturen unter dem Gefrierpunkt in erstaunlich guter Verfassung, teilte ein Marinesprecher mit.Sie haben lediglich leichte Erfrierungen erlitten.Dubois habe zudem wunde Stellen an Händen und Füßen aufgrund des langen Kontakts mit dem Salzwasser. Die britischen und französischen Regierungen haben mittlerweile den Australiern gedankt.Gleichzeitig ist aber auch Kritik an dem "Vendée Globe"-Segelrennen rund um die Antarktis laut geworden, an dem die Geretteten teilgenommen hatten.Erst vor zwei Wochen hatten die Australier einen anderen Franzosen retten müssen, vor zwei Jahren kostete die Hilfsaktion für eine französische Seglerin etwa sieben Millionen Mark.Mittlerweile wurde bekannt, daß der Kontakt zu dem franko-kanadischen Rennteilnehmer Gerry Roufs abgerissen ist.Er befindet sich derzeit zwischen Neuseeland und Südamerika.Die traditionelle Segelbegeisterung der Franzosen dämpfen diese Tragödien nicht.Niemand käme dort auf die Idee, die Männer, die allein Wind und Wellen trotzen, als einsame Irre zu brandmarken.Vorsichtiger äußerte sich der Fregatten- Kapitän Gates, der die die Segler barg: "Ob es weise ist, dieses Rennen so weit südlich auszutragen, muß bezweifelt werden." Für den Regatta-Experten Jürgen Feyerabend vom Deutschen Segler-Verband in Hamburg sind die Teilnehmer der Vendee Globe "keine Hasardeure", obwohl die Strecke "konstant durch Sturmgebiete" führe.Die etwa 15 bis 20 Meter langen Spezial-Jachten seien mit modernster Elektronik ausgerüstet, die die punktgenaue Ortung rund um den Globus erlaube.Deshalb sei es wichtig, daß die Segler an Bord blieben - wenn das Boot nicht sinkt.

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