Dr. med. Eckart von Hirschhausen : Kleine Humorheilkunde - letzte Folge

Dr. med. Eckart von Hirschhausen, Arzt und Kabarettist, beschreibt in einer Serie im Tagesspiegel drei Wochen lang täglich an Beispielen, wie Humor funktioniert. Lesen Sie hier die letzte Folge.

Dr. med. Eckart von Hirschhausen
Dr. med. Eckart von Hirschhausen, Arzt und Kabarettist,
Dr. med. Eckart von Hirschhausen, Arzt und Kabarettist,Foto: Frank Eidel

Zuerst der Witz:

Ein Fallschirmspringer ist gut aus dem Flugzeug raus, zieht die erste Leine – nichts passiert. Zum Glück gibt es ja noch den Rettungsschirm, und so zieht er schon leicht panisch die zweite Reißleine. Nichts passiert. Ungebremst rast er der Erde entgegen. Da plötzlich – er traut seinen Augen kaum – sieht er einen Mann, der ihm von der Erde aus entgegen fliegt. Seine Rettung? Er ruft ihm zu: „Reparieren Sie Falschschirme?“ Der andere ruft zurück: „Nein, nur Gasleitungen!“

Heute endet meine kleine Humorheilkunde, und entsprechend will ich mich zum Schluss dem größten Sujet der Komik widmen – der Endlichkeit. Ich hoffe, Sie hatten 21mal eine kleine Freude beim Lesen, nehmen etwas mit und erzählen vielleicht auch einen Witz weiter, und so lebt das Lachen über diese Kolumne hinaus. Darf man dem Tod mit Humor begegnen? Fragen Sie mich im nächsten Leben nochmal. Ich weiß nur, dass ich oft von Journalisten, die ein besonders persönliches Interview führen wollen, gefragt werde: „Was wünschen Sie sich, was man an Ihrem Grab über Sie sagt?“ Was man sagen soll? Ist doch klar: „Oh - er bewegt sich noch!“ Das wünsche ich mir. Ganz im Sinne von Woody Allen möchte ich nicht im Gedenken der Menschheit weiterleben, sondern viel lieber in meiner Wohnung. Die Angst vor dem Tod ist oft die Angst vor einem leidvollen Sterben. Zum Glück gibt es inzwischen in Deutschland eine wachsende Bewegung für Hospize und Palliativmedizin. Ärzte und Pfleger, die den Tod nicht mehr als Beleidigung ihres Könnens ansehen, sondern als einen Teil des Lebens, den man gestalten und begleiten kann. Mit modernen Schmerzmedikamenten, viel menschlicher Nähe und spiritueller Begleitung, Musik- und teilweise sogar mit Humorangeboten. Im Kölner Mildred-Scheel-Haus sind die Zimmer so gebaut, dass jeder Sterbende aus seinem Bett in den Himmel schauen kann. Das ist weitsichtig im wahrsten Sinne! Wer zum ersten Mal ein Hospiz besucht, ist oft überrascht, dass keine Grabesstille herrscht, sondern oft und gern auch gelacht oder gesungen wird, mit der Energie des „Wenn nicht jetzt, wann dann?“ Manchmal sind es so einfache Ideen, die einen großen Unterschied machen. Und einfache Sätze. Eine Zeile von Wiglaf Droste geht mir nie mehr aus dem Sinn, seit ich sie bei einem Konzert in der Berliner „Bar jeder Vernunft“ gehört habe. „Seltsam wie leicht man vergisst/Das alles, was du tust, für immer ist.“ Als wir einmal von HUMOR HILFT HEILEN eine Studie über Kinderhumor unterstützt haben, blieb mir ein Satz des sechsjährigen Sebastian hängen, den kein Zen-Mönch schöner hätte formulieren können: „Man kann nie wieder etwas verlieren, wenn man weiß, wo irgendwo ist.“

Der Autor ist Arzt, Kabarettist und Gründer der Stiftung „Humor hilft heilen“. Live-Termine unter: www.hirschhausen.com. Zurückliegende Folgen finden Sie unter www.tagesspiegel.de/humorheilkunde.

Hören Sie hier eine Hörprobe aus der Hirschhausen-CD „Ist das ein Witz“:

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US Marine
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