Drama im All : Evakuierung der ISS abgewendet

Auf der Raumstation fielen drei lebenswichtige Computer gleichzeitig aus – eine bisher einmalige Panne.

Paul Janositz

Berlin - Das war knapp. Fast hätte die internationale Raumstation ISS evakuiert werden müssen. Drei wichtige Computer waren in der Nacht zum Donnerstag ausgefallen. Ohne sie lässt sich die Raumstation nicht richtig steuern und die Astronauten können nicht ausreichend mit Sauerstoff und Wasser versorgt werden. Dann kam die erlösende Nachricht: „Ein Computer läuft wieder“, sagte Volker Sobick dem Tagesspiegel am Nachmittag. „Das reicht, um die ISS zu steuern.“

Der Experte der Deutschen Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Bonn hatte die dramatische Entwicklung auf der ISS per Internetübertragung der US-Weltraumbehörde Nasa verfolgt. Er hörte auch den Funkverkehr ab und war die ganze Zeit optimistisch. „Das kriegen die in den Griff“, hatte er prophezeit. Doch zunächst mühten sich die Computertechniker und Informatikspezialisten in den Kontrollzentren zusammen mit den drei Insassen der ISS und den sieben Astronauten des Shuttle Atlantis stundenlang vergeblich, die Rechner wieder in Gang zu setzen. Notfallpläne wurden entworfen. Die Nasa überlegte, den bereits um zwei Tage verlängerten Aufenthalt des pannengeplagten Shuttle um noch einen Tag zu erweitern. Denn mit der an die ISS angedockten Weltraumfähre kann der Ausfall der Computer überbrückt werden. Doch wenn der Treibstoffvorrat des Shuttle zu weit aufgebraucht wäre, hätte die Mission abgebrochen werden müssen. Dann hätten die beiden russischen Langzeitastronauten und der amerikanischen Neuling, der erst mit Atlantis gekommen war, ihren kosmischen Arbeitsplatz verlassen müssen.

„Erstmals sind alle drei Rechner ausgefallen, die die Düsen am Servicemodul steuern“, erklärt Sobick. Damit ist der Sicherheitspuffer aufgebraucht. Denn lebenswichtige Systeme müssen auf der Raumstation mehrfach vorhanden sein. Wenn eines versagt, können andere dessen Aufgabe übernehmen. So war es bisher immer der Fall. Nicht so diesmal bei den Navigationscomputern, die sich im „russischen Teil“ der ISS befinden. So bezeichnet Sobick das Modul, das 1998 als Erstes ins All kam und die damalige ISS auch steuern musste. Dort befindet sich heute noch die zentrale Steuerung. Sie funktioniert per Düsenkraft, braucht also Treibstoff und ist für größere Manöver der Raumstation vorgesehen. Etwa um einem Meteoriten auszuweichen.

Seit 2001 ist das US-Modul an die ISS angedockt. Dort ist ein System eingebaut, das die Lage der Raumstation aufrechterhält. „Dieses Lageregelungssystem enthält Kreisel“, sagt Sobick. Normalerweise ist nur dieses System eingeschaltet, die Steuerdüsen sind stillgelegt. Beide Systeme müssen jedoch funktionieren, für den Fall, dass eines versagt.

Das war mit dem Ausfall der russischen Computer geschehen. Jetzt da einer der drei wieder arbeitet, funktioniert auch das Steuerdüsensystem wieder. Doch die fieberhafte Arbeit der Astronauten und der Experten in den Kontrollzentren wird fortgesetzt. Was war die Ursache? War es ein Softwarefehler oder ein Stromausfall? Die Maßnahmen für den Notfall gehen weiter. „Die Nasa hat die Shuttle-Mannschaft angewiesen, wo immer möglich Energie zu sparen“, sagt Sobick. Also Laptops ausschalten, Drucker runterfahren. Das könne einen womöglich nötigen Aufenthalt des Shuttle bei der ISS um ein paar Stunden verlängern. Man weiß ja nie.

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