Welt : Dramatische Flucht aus der Todeszelle

WASHINGTON (AFP).Erstmals seit mehr als 60 Jahren ist es einem zum Tode verurteilte Häftling im US-Bundesstaat Texas gelungen, aus dem Gefängnis zu entkommen.Der verurteilter Doppelmörder Martin Gurule, der am Freitag in Texas aus der Todeszelle entkommen war, war am auch Sonntag noch wie vom Erdboden verschluckt.Hunderte von Beamten mit Suchhunden und Hubschraubern durchkämmten die Umgebung des Ellis-Gefängnisses bei Huntsville, aus dem der 29jährige ausgebrochen war.

Eine vermeintlich heiße Spur in einer Stadt rund sechs Kilometer vom Gefängnis entfernt löste sich am Samstagabend in nichts auf.Ein Unbekannter, den der Besitzer eines Hauses mit Schüssen abwehrte, war nach Erkenntnissen der Behörden entgegen ersten Annahmen doch nicht Gurule.Die Suche konzentrierte sich danach wieder auf die unmittelbare Umgebung der Haftanstalt.Es wird angenommen, daß Martin Gurule auf seiner Flucht nicht weit gekommen ist.Zuletzt war 1934 zwei Todeskandidaten der Bande des legendären Gangsterpaares Bonnie und Clyde die Flucht aus einem texanischen Gefängnis gelungen, sie waren später aber gefaßt worden.

Die sieben Männer hatten mit Attrappen in ihren Betten im Hochsicherheitstrakt den Anschein erweckt, in ihrer Zelle zu schlafen.Dabei waren sie seit Donnerstag nach einer "Thanksgiving"-Mahlzeit nicht mehr dorthin zurückgekehrt, wie die "Dallas Morning News" berichtete.Statt dessen trafen sie sich im Fitneßbereich der Anstalt.Dort gelang es ihnen, einen Metallzaun niederzureißen und aufs Gefängnisdach zu klettern.Dort wollten sie offenbar den günstigsten Moment zur Flucht abwarten.Um in der Dunkelheit nicht aufzufallen, machten sie ihre weißen Anstaltsuniformen schwarz.

Als sie am Freitag abend versuchten, den Park des Gefängnisses zu durchqueren, war ihre Flucht bereits entdeckt worden: Die Beamten eröffneten das Feuer und beleuchteten mit großen Scheinwerfern die Fluchtwege.Daraufhin ergaben sich sechs von ihnen.Lediglich von Gurule verloren die Polizisten die Spur, nachdem es ihm gelang, zwei Zäune mit Elektrodraht zu überwinden.

Der mehr als 60 Jahre zurückliegende letzte Fluchtversuch von drei Mitgliedern der Bande von Bonnie und Clyde endete für alle mit dem Tod: Einer von ihnen starb im Kugelhagel, zwei wurden gefaßt und kamen auf dem elektrischen Stuhl.Bonnie und Clyde, die beide aus dem texanischen Dallas stammten, überfielen Anfang der 30er Jahre im Mittleren Westen der USA gemeinsam rund ein Dutzend Banken und ermordeten mehr als 15 Menschen.

Derzeit befinden sich 2300 Gefangene im Hochsicherheitstrakt des Gefängnisses von Huntsville.454 davon sind zum Tode verurteilt.In Texas ist George Bush, der Sohn des gleichnamigen Ex-Präsidenten, Gouverneur.Er ist ein entschiedener Verfechter der Todesstrafe.Von 74 Hinrichtungen im ganzen Land fanden im vergangenen Jahr 37 in Texas statt.Im Gefängnis von Huntsville war im Februar auch trotz weltweiter Proteste die Doppelmörderin Karla Faye Tucker hingerichtet worden.

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