Drei Säuglinge gestorben : Bremer Klinik untersucht Mitarbeiter auf Keime

Nach dem Tod von drei Frühchen in Bremen sucht die Klinik fieberhaft nach dem Auslöser der Infektionswelle. Der Fall hat auch das Bundesgesundheitsministerium auf den Plan gerufen.

Der Tod dreier Säuglinge in einer Klinik in Bremen hat eine Diskussion um Hygienevorschriften ausgelöst.
Der Tod dreier Säuglinge in einer Klinik in Bremen hat eine Diskussion um Hygienevorschriften ausgelöst.Foto: dpa

Die Bremer Klinik forscht nach dem Tod von drei Frühchen mit Hochdruck nach dem gefährlichen Erreger. Am Freitag mussten alle Mitarbeiter der betroffenen Station eine Stuhlprobe abgeben. Das Ergebnis werde in einigen Tagen vorliegen, sagte die Pressesprecherin des Klinikverbundes Gesundheit Nord, Andrea Theil.

Drei Experten vom Robert-Koch-Institut durchforsten seit Donnerstag die Krankenakten der infizierten Neugeborenen, um den Auslöser der Infektionswelle im Klinikum Bremen-Mitte zu finden.

Mehrere Säuglinge, bei denen ein Speziallabor dieselbe Mutation des multiresistenten Bakteriums nachgewiesen hat, sollen in den nächsten Tagen auf eine eigens dafür eingerichtete Abteilung verlegt werden. „Es erfordert einen erheblichen technischen Aufwand, die Frühchen sicher auf die andere Station zu bringen“, erläuterte Theil.

Seit Ende Juni waren sieben der winzigen Patienten mit einem Gewicht von nicht einmal 1000 Gramm an dem Keim erkrankt. Anfang August starb das erste Baby, im Oktober zwei weitere. Vier befinden sich auf dem Weg der Besserung.

Die Klinikleitung informierte am 7. September das Gesundheitsamt über den Ausbruch der Infektionswelle. Gesundheitssenatorin Renate Jürgens-Pieper (SPD) sagte, sie habe erst am 1. November - fünf Tage nach dem Tod des dritten Neugeborenen - von dem Vorfall erfahren. Sie kritisierte die Entscheidung und kündigte Konsequenzen an. Sobald die Krise bewältigt sei, werde die Behörde prüfen, ob die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes die Lage richtig eingeschätzt hätten und ob Vorschriften geändert werden müssten.

Der Bremer Fall hat auch das Bundesgesundheitsministerium auf den Plan gerufen. „Wir werden uns eng mit der Landesregierung und den Bremer Behörden abstimmen, um möglichst rasch Schlussfolgerungen aus dem aktuellen Vorfall zu ziehen“, sagte die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium, Ulrike Flach, der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Ein Ministeriumssprecher ergänzte auf Anfrage: „Wenn man die Ergebnisse hat, wird man prüfen müssen, ob die gesetzlichen Regeln reichen.“ Der Bund hat das Infektionsschutzgesetz gerade überarbeitet, unter anderem um die Hygiene in Krankenhäusern zu verbessern. Bis Ende März 2012 haben die Länder Zeit, die vom Bundesrat im Juli gebilligten Änderungen vollständig umzusetzen. Der Großteil der Maßnahmen werde in Bremen schon seit Jahren angewendet, sagte der zuständige Abteilungsleiter der Gesundheitsbehörde, Matthias Gruhl. „Wir haben alle Vorschriften des Infektionsschutzgesetzes eingehalten.“ Auch die Bremer Staatsanwaltschaft will sich ein eigenes Bild vom dem Vorfall auf der Frühchenstation machen. Sie ermittelt zurzeit wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung und Körperverletzung.

Zunächst will die Behörde die Krankenakten der infizierten Kinder von medizinischen Sachverständigen prüfen lassen. „Ob dann noch Zeugen gehört werden, wird man im weiteren Verlauf sehen“, sagte Sprecher Frank Passade.
Die Fraktionen der Regierungsparteien SPD und Grüne haben nun eine Aktuelle Stunde zu den Infektionen im Klinikum Bremen-Mitte beantragt. Am Dienstag wird sich das Stadtparlament damit beschäftigen. Zunächst soll es aber um die Eindämmung der Krise gehen und weniger um mögliche Konsequenzen aus dem Fall. „Es muss aufgeklärt werden, wann was passiert ist - aber alles zu seiner Zeit“, sagte der Sprecher der SPD-Fraktion, André Städler. (dpa)

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