Welt : Dreiecksbeziehungen: Wenn ein Partner nicht reicht

Ina Herzer

Wenn sich Sven und Tanja heute begegnen, scheint ihr Verhältnis wieder völlig normal. Sie unterhalten sich, lachen zusammen - mit nur einem feinen Unterschied: "Die innere Nähe ist weg, wir benehmen uns eben wie gute Bekannte", sagt Tanja. Dabei hatten die beiden immerhin sieben Jahre gemeinsam verbracht, bevor es zu dem großen Bruch kam - Tanja hatte sich in einen anderen verliebt. Ein scheinbar alltäglicher Vorfall, nur kam bei Sven und Tanja ein Problem erschwerend hinzu: "Ich hatte einfach nicht den Mut, mich zu trennen und führte über ein Dreivierteljahr quasi zwei Beziehungen", erzählt die 31-jährige Verlagskauffrau. Eine zermürbende Zeit für alle. Zumal sich Tanja nach einigen Monaten entschloss, Sven alles zu beichten: "Ich wollte ihm so die Möglichkeit geben, selbst zu agieren, unsere Beziehung zu beenden - im nachhinein ist mir klar geworden, dass ich eigentlich nur zu feige war, selbst Konsequenzen zu ziehen und das ihm überlassen wollte."

Doch gerade Frauen "rutschen" nicht einfach in eine Dreiecksbeziehung hinein, meint Eva Neumann, Psychologin an der Uni Bochum. "Solche Dreier-Konstellationen sind in der Regel selbst herbeigeführt", sagt die Expertin. Ursache ist meist Unzufriedenheit. "In den meisten Fällen wird ein zentrales Bedürfnis von einem der beiden Partner nicht mehr befriedigt", ergänzt Paartherapeut Hans Jellouschek. Doch während Männer eher dazu tendierten, "die Dinge abzuwarten", brächten Frauen ihre Probleme in der Beziehung relativ schnell aufs Tapet. Neumann bestätigt: "Der erste Schritt beim weiblichen Geschlecht ist nahezu immer ein Gespräch mit dem Partner." Erst wenn das nicht funktioniere, würden andere Möglichkeiten zur Krisenbewältigung gesucht - eine davon sei die Daueraffäre.

Ein Problemvermeidungsverhalten, das die meisten Frauen langfristig schlecht ertragen. Wer mehrere Eisen im Feuer behält, hat laut Neumann vor allem Angst, alleine zu sein. "Frauen definieren sich viel stärker über soziale Bindungen als Männer und kommen daher auch schlechter damit klar, keinen Partner zu haben." Ein dritter Partner könne daher lediglich Zwischenstadium, "eine unglückliche Übergangslösung", sein. Das ist auch die Sichtweise von Jellouschek: "Wenn Frauen fremdgehen, ist das weniger stark sexuell bedingt, sondern die Ursachen liegen tiefer - Frauen erleben Beziehungen ganzheitlicher." Männer dagegen könnten Partnerschaft und Seitensprung klar trennen - und letzteren auch für längere Zeit geheim halten.

Eine Untersuchung der Gesellschaft für erfahrungswissenschaftliche Sozialforschung in Hamburg (Gewis) untermauert dies: Danach war Trostlosigkeit in der eigenen Beziehung die Hauptmotivation jeder zweiten Frau, die sich auf eine Affäre einließ. Bei Männern stand dagegen der sexuelle Reiz im Vordergrund. Welchen Stellenwert auch immer die neue Affäre habe, die Prognose für die bestehende ist in jedem Fall miserabel, meint Neumann. "Gravierende Probleme nicht anzusprechen, sondern sich in etwas Neues zu flüchten, führt längerfristig fast immer zur Beendigung der Beziehung." Schlimmstenfalls gehe auch die neue Liebe zu Bruch, denn eine Dreier-Beziehung ist der Psychologin zufolge extrem instabil: "Auf Dauer fühlt sich einer immer vernachlässigt." Außer jemand habe gezielt den Wunsch nach mehreren Partnern. "In der Wissenschaft wird das als ludischer Beziehungsstil bezeichnet - das heißt, eine Partnerschaft wird nur als Spiel gesehen."

Eine weitere Variante solcher Dreiecks-Beziehungen entsteht dann, wenn einer der Partner noch eine intensive Beziehung zum Ex-Partner pflegt. "Ist der vorherige Partner ständig präsent, führt das zu Eifersüchteleien und verhindert, dass sich Nähe und Intimität entwickeln können", sagt Psychologin Neumann. Besonders abträglich sei, wenn der Partner bei Problemen ständig zum "Ex" renne. Denn Krisensituationen gemeinsam zu meistern, baue eine Partnerschaft auf und stabilisiere sie. Der Rat der Expertin lautet daher: "Überprüfen Sie, ob Sie selbst Hauptansprechpartner sind - ansonsten besteht tatsächlich Grund zur Besorgnis."

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