Welt : Dreifach abgeräumt

Rapper Eminem dominiert die MTV Europe Music Awards

Sassan Niasseri

Es war kein Abend großer Überraschungen: Skandalrapper Eminem triumphierte erwartungsgemäß bei den am Donnerstag in Barcelona vergebenen „MTV European Awards“. Unter der Moderation des HipHop-Moguls P Diddy erhielt Eminem, der wegen seiner Homosexuellen- und Frauenfeindlichkeit ebenso stark umstritten wie erfolgreich ist, drei Auszeichnungen, darunter diejenige für den „Best Male“. Seine Dominanz im Musikfernsehen bewies der 29-Jährige bereits im September, als er bei den amerikanischen „MTV Awards“ vier Auszeichnungen für sein Album „The Eminem Show“ entgegen nahm. Weltweit herrscht nun eine Eminem-Euphorie wie nie zuvor.

Und wieder einmal wurde deutlich, dass die „Europe Awards“ herzlich wenig mit „Europe“ zu tun haben. Die meisten der 16 Auszeichnungen erhielten die hochfavorisierten Künstler, die gar nicht aus Europa kommen: Jeweils zwei Preise nahmen die australische Sängerin Kylie Minogue und die US-Rockbands Red Hot Chili Peppers und Linkin Park entgegen. Umso sympathischer, dass die einzige Überraschung ausgerechnet auf den wichtigsten „Award“ fiel, nämlich den des „Best Video“: Hier setzte sich das norwegische DJ-Duo Röyksopp, deren introvertierte Clubsongs vom MTV-Airplay tendenziell ignoriert werden, mit „Remind me“ gegen Eminems „Without me“ durch. Die Auszeichnung „Best German Act“ erhielt Xavier Naidoo. Der Schmusesänger wirkte überrascht, ließ er doch Konkurrenz wie Herbert Grönemeyer hinter sich.

Höhepunkte waren die Auftritte von Whitney Houston und Robbie Williams, die auch ohne Nominierung singen durften. Souldiva Houston, die für Dezember ihr Comeback nach vier Jahren Albumpause anvisiert, stellte ihre neue Single „Whatcha lookin’ at?“ vor. In Anbetracht der schaurigen Meldungen über ihren Gesundheitszustand – Hartdrogenkonsum, Schlägereien mit Ehemann Bobby Brown, Ohnmachtsanfälle – präsentierte sie sich wie die Überlebende einer Katastrophen-Karriere: schwitzend, zitternd im Tanzschritt wie der späte Elvis, aber mit munteren Grüßen an die Fans. Auch Robbie Williams, der im V orjahr noch durch Pöbeleien aufgefallen war, blieb artig und sang seinen neuen Song „Feel“. Neuerdings besticht Williams durch Selbstdisziplin, steht er doch unter enormem Erfolgsdruck: Er unterschrieb einen Rekord-Plattenvertrag und wird seitdem von amerikanischen Plattenbossen aufmerksam beäugt.

Überhaupt verliefen die „Awards“ trotz Anwesenheit vieler miteinander verfeindeter Stars – Robbie Williams versus Sophie Ellis Bextor, Christina Aguilera versus Eminem, Eminem versus Moby – erstaunlich harmonisch. Die eitlen Grabenkämpfe vergangener Jahre blieben aus. Preisträger Moby zum Beispiel, der noch bei den US-„Awards“ Eminems widerliche Homophobie ertragen musste („You little Pussy“) wünschte seinem Widersacher eine „weiterhin friedfertige, erfolgreiche Karriere“, während der Rapstar selbst in seinen Dankesreden auf das obszöne „F-Word“ verzichtete. Und Jennifer Lopez („Best Female“), die mit ihrem Ex-Freund P Diddy auf Kriegsfuß steht, erschien gar nicht erst zur Preisverleihung.

Die Moderation P Diddys war eindeutiger VeranstaltungsSchwachpunkt. Der selbsternannte „Bad Boy“, dessen Erfolg als Musikproduzent in letzter Zeit nachließ, hatte sich durch sein Debüt als „Host“ Imagepolitur versprochen. Doch erwies sich der Millionär mit dem Charisma eines Zuhälters als sehr einfältig.

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