Dresden : 12 Jahre Haft für Bombenleger

Der Bombenleger vom Dresdner Hauptbahnhof muss für 12 Jahre hinter Gitter. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass der Mann vor zwei Jahren eine Bombe in einem Koffer auf dem Bahnhof deponiert hatte.

Dresden (29.07.2005, 18:05 Uhr) - Der hochverschuldete Immobilienkaufmann hatte kurz vor Pfingsten 2003 eine Bombe in einem Koffer auf dem Bahnhof deponiert. Der Sprengsatz ging glücklicherweise nicht hoch. Experten zufolge war Dresden damals nur knapp einer Katastrophe entkommen.

Mit dem Urteil blieben die Richter unter der Forderung der Staatsanwaltschaft. Die Anklage hatte lebenslang gefordert. Die Verteidigung sah lediglich eine versuchte räuberische Erpressung und verlangte maximal sieben Jahre Haft. Vogel nahm das Urteil regungslos auf.

«Der Angeklagte hat den Tod von Menschen durch Abstellen des Koffers billigend in Kauf genommen», sagte die Vorsitzende Richterin Birgit Wiegand. Der vorbestrafte Geschäftsmann aus dem sächsischen Ellefeld im Vogtland hatte nach eigenem Bekunden wegen finanzieller Probleme die Deutsche Bank um eine dreistellige Millionensumme erpressen wollen. Allerdings stritt er ab, dass der Sprengsatz scharf war. Richterin Wiegand sprach hingegen von einer scharfen Bombe. Die Tat schürte Angst vor Terroranschlägen.

Der Täter hatte Sprengstoff zusammen mit Schottersteinen in einem Schnellkochtopf gepackt und einen Wecker als Zeitzünder präpariert. Die Bombe war bei der Entschärfung zerstört worden. Ein Bekannter Vogels gab der Polizei den entscheidenden Tipp. Am 21. September 2003 wurde Ulrich Vogel festgenommen.

Vogel tischte nach seiner Festnahme gleich drei Tatversionen auf. Zunächst bezeichnete er sich als alleinigen Urheber von Anschlag und Briefen an die Deutsche Bank. Im Prozess stellte sich Vogel dann selbst aber als Erpressungsopfer eines Unbekannten dar, der ihn zum Bau der Bombe gezwungen und das Material geliefert habe. Schließlich bezichtigte er den Tippgeber als Mittäter. Bis zum letzten Prozesstag zeigte Vogel keine Reue. Der Prozess dauerte gut ein Jahr. (tso)

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