Drogenfund und Festnahmen : Schlag gegen Heroinhändler in Berlin

Fahnder haben in Berlin 3,38 Kilogramm Heroin sichergestellt. Fünf Personen wurden festgenommen. Der Bandenchef ist auf der Flucht, die Bandenmitglieder stammen aus dem Nahen Osten.

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Der Arbeitstag hatte für den Kurierfahrer gerade erst begonnen. Wie jeden Morgen fuhr er am Mittwoch mit dem Auto nach Wedding, um die Ware für den Tag abzuholen: 1100 Heroinkügelchen in Portionen zu zehn und zwanzig Euro, gestreckt, gewogen und verpackt. Die Tagesration für die Dealer im Treptower Park. Doch zum Ausliefern kam er nicht mehr: Als sich der Kurier gegen vier Uhr früh mit einem Bandenkollegen traf, nahm die Polizei die Männer fest. Sie waren unbewaffnet und leisteten keinen Widerstand.

Ganz in der Nähe, in einer Wohnung in der Guineastraße, fanden die Beamten noch viel mehr von dem braunen Rauschgift: Noch nicht für den Verkauf gestreckt, in Paketen zu je einem Pfund. Insgesamt wurden 3,38 Kilogramm Heroin mit einem Marktwert von einer halben Million Euro sichergestellt – „in der Summe der Kügelchen und der Menge ein außergewöhnlicher Fund“, sagt Thorsten Kleinert, der Leiter des Dezernats für bandenmäßigen Rauschgifthandel. Ähnlich große Mengen werden sonst nur direkt bei der Einfuhr entdeckt – auf Flughäfen, in Lastwagen und Schiffscontainern.

Zweieinhalb Jahre macht Kleinert den Job, mehr als sechs Monate führte er die Ermittlungen gegen die Bande, die jetzt zerschlagen wurde. Am Mittwoch gab es weitere Festnahmen in Neukölln und Biesdorf, fünf mutmaßliche Bandenmitglieder wurden verhaftet. Nur der Chef des Dealerrings konnte noch nicht festgenommen werden – die Polizei ist ihm hart auf der Spur. „Er ist uns namentlich bekannt“, sagt Kleinert, „seine Verhaftung ist eine Frage von Tagen“.

Die Mitglieder der Bande stammen aus dem Libanon oder aus Palästina – wie die meisten Heroinhändler in Berlin. „90 Prozent des Heroin- und Kokainhandels werden in den Parks und im öffentlichen Nahverkehr abgewickelt, fast alle Beteiligten stammen aus dem Libanon“, sagt Drogenfahnder Kleinert. Der jetzt gesprengte Ring operierte entlang des S-Bahnrings im Osten der Stadt: An der Prenzlauer Allee, der Greifswalder Straße, am Nöldnerplatz und im Treptower Park. Per Telefon werden die Süchtigen zu den Parks in der Nähe der S-Bahnhöfe beordert, die Händler führen stets nur kleine Mengen an Heroin mit sich. Der jetzige Fund wird aber nicht dazu führen, dass die acht- bis zehntausend Heroinsüchtigen in Berlin auf ihren Rausch verzichten müssen: „Wir bekämpfen die Auswüchse, den aggressiven Handel im Nahverkehr. Der Markt ist schnell in der Lage, die sichergestellte Menge auszugleichen“, sagt Polizeisprecher Thomas Neuendorf.

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