Drogenkonsum : Die weiße Gefahr

Im Kampf gegen den Kokainkonsum arbeitet Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt mit der RTL-Serie GZSZ zusammen. Wie kann man sich das Engagement vorstellen?

Ulla Schmidt
Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) und die GZSZ-Stars. -Foto: dpa

Nein, einen Gastauftritt bei der Serie „Gute Zeiten, Schlechte Zeiten“ (GZSZ), wie ihn ihr Parteikollege Gerhard Schröder 1998 hatte, könne sie sich nicht vorstellen, sagt Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) und lächelt. Der Grund, aus dem sie am Donnerstag gemeinsam mit Schauspielern der RTL-Vorabendserie zu einer Pressekonferenz in die Filmstudios Potsdam-Babelsberg geladen hat, ist ein viel wichtigerer. Es geht um den Kampf gegen Drogenkonsum. Genauer um die Partydroge Kokain. Nach neuesten Angaben des Gesundheitsministeriums haben in Deutschland 1,45 Millionen Menschen zwischen zwölf und 60 schon mindestens einmal Kokain probiert. Damit liegt das gefährliche weiße Pulver nach Cannabis und Amphetaminen auf Platz drei der illegalen Drogen.

GZSZ will nun einen Teil zur Suchtprävention beitragen. In Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsministerium wird während der nächsten Monate in der Fernsehserie gezeigt, wie Emily Höfer, gespielt von Anne Menden, langsam kokainsüchtig wird. „Ich bewundere, wie man eine derart schwierige Rolle so realistisch spielen kann“, sagte Ulla Schmidt der Schauspielerin. Das Produzententeam hat sich im Vorfeld intensiv vom Ministerium beraten lassen. „Es geht uns dabei aber nicht um den erhobenen Zeigefinger, sondern um die Vorbildfunktion der Serie“, sagte die Bundesdrogenbeauftragte Sabine Bätzing.

„Man muss ganz früh ansetzen und klarmachen, dass man gar nicht erst mit Drogen anfangen darf“, sagte Ulla Schmidt. Daher sei es wichtig, auch schon 11- bis 13-Jährige zu erreichen. Vorbildlich sei es, dass bei GZSZ auch Lösungen zu sehen sind. Eine Jugendserie mit Millionenpublikum sei eine besonders gute Möglichkeit, junge Menschen zu sensibilisieren.

„Wir wollen den Zuschauern klarmachen, dass diese Dinge einfach uncool sind“, sagt Rainer Wemcken, Geschäftsführer der GZSZ-Produktionsfirma Grundy UFA. Gleichzeitig wolle man für diejenigen, die schon Drogen nehmen, Möglichkeiten aufzeigen, von der Sucht wegzukommen. So kommen in der Serie echte Drogenberatungsstellen vor, deren Telefonnummern die Zuschauer tatsächlich anrufen können.

„Ich habe viel geredet, war gut drauf und selbstbewusst“, sagt die 24-jährige Bianca (Name geändert) über den Beginn ihrer Kokainsucht. Über Freunde war sie in Kontakt mit der Droge gekommen, eineinhalb Jahre lang schnupfte sie an drei bis fünf Tagen pro Woche Kokain – vor allem beim Ausgehen. Doch bald war es mit dem Hochgefühl vorbei: „Ich war depressiv, bin nicht mehr rausgegangen und war zu alltäglichen Dingen wie Einkaufen nicht mehr in der Lage“. Dazu kam Schlaflosigkeit: „Ich trank Alkohol, um einzuschlafen.“ Als Bianca merkte, dass sie den Ausstieg nicht schafft, erzählte sie alles ihrer Mutter. „Sie hat dann permanent nachgefragt, ich brauchte den Druck.“ Bianca nahm an einer Therapie teil und lebt seit einem Jahr drogenfrei.

Bei Kokon, einem Zentrum für ambulante Drogentherapie in Berlin, erzählten sie und zwei weitere junge Ex-Abhängige ihre Erfahrungen der GZSZ-Schauspielerin Anne Menden. Diese hatte sich das Treffen im Beisein der Bundesdrogenbeauftragten Sabine Bätzing gewünscht, um ihre Kokainsucht in der Serie authentisch spielen können. In ihrer Rolle als „Emily“ kommt Menden in die Modelszene, wo ihr Kokain angeboten wird. In Wahrheit handele es sich übrigens um Traubenzucker, „mir tut schon die Nase weh“. Am Ende soll es Emily gelingen, aufzuhören.

Aus der Sicht der 29-jährigen Simone war „mein Freundeskreis schuld“, dass sie mit dem Kokainkonsum begann. Wenn ein Spiegel mit dem weißen Pulver herumgereicht wurde, sei über den „Gruppenzwang“ sogar gewitzelt worden. Simone mochte am Kokain, dass „man in der Disco länger durchhält und mehr Alkohol verträgt“. Sie sei nur eine „Wochenendkonsumentin“ gewesen – dies jedoch fünf Jahre lang. Wenn sie erst einmal geschnupft habe, sei die „Gier“ immens geworden, eine Dosis habe nie gereicht: „Alle halbe Stunde wollte ich mehr.“ Depressionen und Kreislaufbeschwerden führten dann dazu, dass sie sich zur Therapie entschloss.

Diese findet bei Kokon zwar ambulant statt, aber die Regeln sind hart. Leben und Umfeld des Betroffenen werden völlig umgekrempelt. In den ersten Monaten sind Discobesuche tabu, der Kontakt zu manchen Freunden muss abgebrochen werden. Die Teilnehmer sollen sogar Musik meiden, die sie regelmäßig beim Kokainkonsum gehört hatten.

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