Welt : Drogenkonsum: High

Robert Ide

Am 21. Juli ist es wieder soweit. Bei der Love Parade in Berlin kann die Welt besichtigen, wie wenig die Jugend von heute zum Leben braucht: Die angereisten Jungs und Mädels berauschen sich einmal mehr an lauten Bässen, knapper Kleidung und ein wenig Sonne. Reicht das den Feiernden, um Spaß zu haben? Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marion Caspers-Merk, sagt: Nein. Denn nach neuesten Studien kann sie keine Entwarnung für den Drogenkonsum Jugendlicher geben. Im Gegenteil. In einer repräsentativen Befragung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung über die Drogenerfahrungen von zwölf- bis 25-Jährigen ist nachzulesen: fast jeder Jugendliche trinkt, mehr als jeder Dritte raucht und 27 Prozent haben schon einmal Erfahrungen mit illegalen Drogen gemacht. Besonders auffällig ist der Anstieg des Konsums von Haschisch und Marihuana. Jeder vierte Jugendliche hat schon einmal einen Joint geraucht, das Durchschnittsalter beim ersten Zug liegt bei 16,5 Jahren. Bei der Jugenderhebung 1993 lag das Einstiegsalter noch ein Jahr höher. Im gleichen Zeitraum ist der Anteil der Jugendlichen mit Drogenerfahrung deutlich angestiegen - von 18 auf 27 Prozent.

Besorgte Eltern müssen allerdings nicht gleich die Nerven verlieren. Die meisten Kinder probieren Drogen nur ein oder zweimal aus und verzichten dann darauf. Regelmäßig konsumieren gerade mal drei Prozent der Jugendlichen illegale Drogen. Die Einnahme von harten Drogen wie Speed, LSD und Kokain ist bei jeweils etwa zwei Prozent eher gering. Allerdings wächst seit Jahren das Interesse an der Partydroge Ecstacy. Immerhin vier Prozent der Jugendlichen haben die Pillen schon mal probiert. Dabei ist der Konsum in Ostdeutschland höher als im Westen.

Doch nicht nur Heranwachsende gehören zu den Risikogruppen. Besorgnis erregend ist nach Angaben Caspers-Merks vor allem der Tablettenkonsum bei Frauen. Rund 17 Prozent der Frauen gaben bei einer weiteren aktuellen Studie an, mindestens einmal wöchentlich Schlafmittel, Antidepressiva oder Appetitzügler einzunehmen. Bei Männern waren es zwölf Prozent. Rechnet man die Ergebnisse hoch - für diese Erhebung wurden 8100 Menschen zwischen 18 und 59 Jahren befragt - kommt man auf einen regelmäßigen Medikamentenkonsum bei sieben Millionen Deutschen. Caspers-Merk fordert nun von den Ärzten, das Verschreiben von Schlaf- und Beruhigungsmitteln einzuschränken. Ansonsten entwickle sich der Medikamentenkonsum gerade bei Frauen zu einer "stillen Sucht".

Die am Donnerstag vorgelegten Zahlen belegen eines ganz deutlich: der Drogenkonsum in Deutschland verharrt auf hohem Niveau. Mehr als 16 Millionen Menschen sind Raucher, jeder dritte von ihnen braucht mehr als eine Schachtel am Tag. Männer greifen dabei häufiger zur Zigarette als Frauen. Fast acht Millionen Menschen trinken in Deutschland regelmäßig Alkohol.

Die Bundesregierung will angesichts der Zahlen zur Tat schreiten. Der Verkauf von Zigaretten an Jugendliche unter 16 Jahren wird spätestens im nächsten Jahr verboten. Außerdem soll die Alkoholindustrie dazu gedrängt werden, die Werbung für Bier, Wein und Schnaps einzuschränken. Bei den Jugend- und Partydrogen sind der Regierung jedoch die Hände gebunden. Angesichts des schwer zu kontrollierenden Angebots auf der Straße und in den Clubs helfen neue Gesetze wenig. Deshalb soll ein Internetprojekt mit dem modern anmutenden Namen "drugcom" die Jugendlichen über die Risiken des Drogenkonsums aufklären. Die Aktion startet anlässlich der Love Parade.

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