Drohende Hungerkrise in der Sahelzone : „Bilder ersetzen tausend Worte“

17.02.2012 08:30 Uhrvon , Jan-Dirk Herbermann, Sebastian Metz
Notlage. In einem Medizin- und Ernährungszentrum in Niger warten Kinder auf Behandlung. Foto: epd
Notlage. In einem Medizin- und Ernährungszentrum in Niger warten Kinder auf Behandlung. - Foto: epd

Die Vereinten Nationen bitten um Spenden für die Sahelzone – diesmal soll Hilfe früh kommen, um Schlimmes zu verhindern.

Im Oktober haben Hilfsorganisationen zum ersten Mal Alarm geschlagen. Damals zeichnete sich ab, dass die Ernten in der Sahelzone, vor allem Niger, Mali, Mauretanien und dem Westen des Tschad, ziemlich dürftig ausgefallen waren. Diesmal wollen die Helfer nicht den gleichen Fehler machen wie am Horn von Afrika. Die Dürre in Ostafrika und deren Folgen in Somalia, Äthiopien und Kenia zeichneten sich im Sommer 2010 ab. Aber erst ein Jahr später flossen die Spenden. Doch wie werben Organisationen um Spenden, wenn die Katastrophe nicht eingetreten ist, wenn es keine Bilder hungernder Kinder gibt?

Bis zu 14 Millionen Menschen sind nach Einschätzung der Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften in der Sahelzone vom Hunger bedroht.

Am Mittwoch richteten UN-Organisationen in Rom einen Hilfsappell an die Geberländer. Die „Chance Millionen vor Unterernährung zu retten“ werde immer kleiner, warnte die Direktorin des Welternährungsprogramms (WFP), Josette Sheeran. Die geplante Hilfe werde 2012 nach UN-Kalkulationen 720 Millionen US-Dollar kosten. Bis Donnerstag gingen aber erst 63,2 Millionen Dollar beim WFP ein.

Dabei haben die Europäische Union und das deutsche Entwicklungsministerium (BMZ) diesmal schnell reagiert. Das BMZ hat neun Millionen, EU-Nothilfekommissarin Kristalina Georgieva hat 30 Millionen Euro für das WFP und insgesamt 275 Millionen Euro für die Sahelzone locker gemacht. Doch „selbst wenn wir jetzt das gesamte Geld hätten, müssten die Menschen noch lange warten“, sagte Modibo Traoré, der UN-Hilfskoordinator für Niger, dem Tagesspiegel. Für den Kauf der Lebensmittel und den Transport in die Hungergebiete brauchten die UN zwei bis drei Monate.

Noch gebe es keinen medizinischen Notstand, sagt Stefan Dold, Sprecher von Ärzte ohne Grenzen. In den Kliniken werden nicht mehr unterernährte Kinder eingewiesen als „saisonal üblich“. Aber die Ärzte vor Ort seien „besorgt“. In einigen Regionen würden Kinder auf Anzeichen von Unterernährung untersucht.

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