Welt : Drohte Kapstadt ein Atomunfall?

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Johannesburg - Die von tagelangen Stromausfällen geplagte südafrikanische Touristenmetropole Kapstadt ist nach Ansicht von Umweltschützern nur knapp einem größeren Atomunfall entgangen. Als „letzte Verteidigungslinie“ hätten nur die Dieselgeneratoren des vor den Toren der Stadt gelegenen Atomkraftwerks Koeberg den Reaktor vorm Überhitzen geschützt. „Wenn diese letzte Verteidigungslinie versagt, ist eine Kernschmelze in der Tat drin“, sagte Maya Aberman von der Umweltgruppe Earthlife Africa der Zeitung „Saturday Star“.

Obwohl die Aufsichtsbehörde des Kraftwerks einen solchen Fall als unwahrscheinlich abtat, bestätigte ein namentlich nicht genannter Koeberg-Mitarbeiter der Zeitung entsprechende Sorgen. Ein Versagen der Dieselgeneratoren hätte weit reichende Konsequenzen gehabt. Man sei aber von einer Kernschmelze noch weit entfernt gewesen. Bereits seit Weihnachten 2005 ist einer der beiden Koeberg-Reaktoren abgeschaltet, nachdem ein normalerweise außen angebrachter Bolzen in seinem Inneren entdeckt worden war. Der Reaktor musste zerlegt werden, soll nun aber wieder anlaufen.

Der zweite Reaktor des Kraftwerks stand zur Wartung an und hatte vor einer Woche wegen einer Überlast aus Sicherheitsgründen ebenfalls abgeschaltet werden müssen. Seitdem werden Kapstadt und das Umland mitten in der touristischen Hochsaison von Stromausfällen geplagt. Die Wirtschaft bezifferte den Schaden auf geschätzte 500 Millionen Rand (70 Millionen Euro). Betroffen sind Krankenhäuser, Dienstleister und Restaurants, aber auch Obst- und Weinfarmer. Die Ausfälle sind vor der Kommunalwahl am 1. März zum Politikum geworden und haben Besorgnis um die Energiesicherheit beim Ausrichter der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 ausgelöst. dpa

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