Druck auf der Blase : Protein steuert nächtliche Toilettengänge

Der Füllstandsanzeiger der Blase wird laut „Nature Communications“ so manipuliert, dass Menschen nachts weniger austreten müssen.

Japanische Forscher haben herausgefunden, warum Menschen nachts seltener auf die Toilette müssen als tagsüber. Eine innere Uhr sorgt dafür, dass die Aufnahmekapazität der Harnblase ansteigt. Dazu manipuliert sie deren Füllstandsanzeiger. Sie bremst die Produktion eines Eiweißmoleküls, das den Befehl zum Entleeren vermittelt, wenn sich Urin in der Blase angesammelt hat. Der Zusammenhang zwischen innerer Uhr und Blasenkapazität könnte in Zukunft genutzt werden, um Menschen mit nächtlichem Harndrang oder Bettnässern zu helfen, schreiben die Forscher um Hiromitsu Negoro von der Kyoto University in „Nature Communications“.

Nagetieren geht es in Bezug auf den Harndrang ähnlich wie Menschen. Wenn sie schlafen, müssen sie seltener urinieren als während ihrer Wachphasen. Daher eignen sie sich gut als Modellorganismen für die Untersuchung von Zusammenhängen rund um die Miktion, wie Forscher das Urinieren nennen. Speziell bei Mäusen gibt es jedoch ein Problem. Ihre Harnblasen sind sehr klein, und winzig sind auch die Urinmengen – häufig weniger als ein Zehntel eines Milliliters. Um trotzdem verfolgen zu können, wann die Mäuse wie viel Urin von sich geben, entwickelten die Forscher um Negoro eine ausgeklügelte Apparatur. Sie setzten die Mäuse in Käfige mit durchlöcherten Böden, unter denen wie ein Fließband eine Rolle Filterpapier hindurchlief. Anschließend wurde das Papier an einem Messsystem vorbeigeleitet, mit dem sich selbst winzige Urinmengen aufspüren ließen. Das Urinieren folgt bei den nachtaktiven Mäusen einem klar erkennbaren Muster, das ihrem Tagesrhythmus entspricht – seltenes Wasserlassen am Tag, wenn die Tiere schlafen, und häufigeres in der Nacht. Dieses Muster bleibt auch dann bestehen, wenn die Mäuse Tag und Nacht in Dunkelheit gehalten werden. Es wird demnach von einem inneren Taktgeber kontrolliert und nicht von der Lichtintensität. Dieser Taktgeber ist offenbar die innere Uhr, zeigten weitere Tests. Wurden die Tiere gentechnisch so verändert, dass der oberste Zeitgeber dieser körpereigenen Uhr bei ihnen nicht arbeitete, verschwand der Rhythmus beim Urinieren. Entscheidend dafür war ein Protein namens Connexin43. Ist es vorhanden, sorgt es dafür, dass durch die Dehnung der vollen Blase Nervensignale weitergeleitet werden. Diese geben dann den Befehl zum Zusammenziehen und damit zur Entleerung der Blase. In den Ruhezeiten – bei den Mäusen tagsüber und beim Menschen nachts – wird die Produktion von Connexin43 jedoch gedrosselt. Damit nimmt gleichzeitig auch die Empfindlichkeit der Blase gegenüber der Dehnung ab.

Natürlich sei die Verbindung zwischen Connexin und innerer Uhr nicht der einzige Faktor, der den Harndrang steuert, räumen die Forscher ein. Weitere Rollen spielen die Urinmenge, die produziert wird, und ein Alarmsystem im Gehirn, das einen Schläfer rechtzeitig weckt, wenn sich die Blase füllt. dapd

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