Dschochar Zarnajew : Fotograf zeigt Bilder des schwer verletzten Attentäters

Ein Polizeifotograf hat neue, dramatische Bilder von der Ergreifung Zarnajews veröffentlicht. Der Schritt ist eine Reaktion auf das umstrittene Cover des Rolling Stone-Magazins. Die dortige Darstellung des jungen Attentäters empört derzeit die amerikanische Öffentlichkeit.

Torben David
Die Darstellung Dschochar Zarnajews auf dem Cover des Rolling Stone sorgte für große Empörung in den USA. Foto: AFP
Die Darstellung Dschochar Zarnajews auf dem Cover des Rolling Stone sorgte für große Empörung in den USA.Foto: AFP

Das jüngste Cover des Rolling Stone-Magazins in den USA schlägt weiterhin hohe Wellen. Nachdem bereits zahlreiche Kritiker in Medien und sozialen Netzwerken ihrem Unmut über die Darstellung des mutmaßlichen Boston-Attentäters Dschochar Zarnajew Luft machten, schritt nun auch ein an Zarnajews Festnahme beteiligter Polizist zur Tat. Seargent Sean Murphy veröffentlichte jetzt im Boston Magazine eine Serie von 14 Bildern, die er am Tag der Ergreifung des Attentäters, dem 19. April 2013, in seiner Funktion als Polizeifotograf geschossen hatte.

Neben Fotos von der Einsatzplanung und -ausführung finden sich darunter auch brisantere Aufnahmen des jungen Attentäters nach seinem letzten Kampf in einem Boot in dem Bostoner Vorort Watertown, das ihm stundenlang als Versteck gedient hatte. Ein Bild zeigt den jungen Mann beim Verlassen des Boots in blutverschmierter Kleidung, die Augen geschlossen und die ebenfalls blutige Hand wie zum Zeichen der Aufgabe erhoben. Direkt zwischen seine Augen fixiert ist der rote Laserpunkt eines Scharfschützengewehrs. Auf einem anderen Foto ist Zarnajew zu sehen, wie er auf der Ballustrade seines Verstecks zusammenbricht, der linke Arm leblos herunterhängend. Eine dritte Aufnahme zeigt den ohnmächtigen Attentäter schließlich, während er von Notärzten behandelt wird.

In diesem Boot versteckte Dschochar Zarnajew in den letzten Stunden vor seiner Festnahme, hier wurden auch die neu veröffentlichten Bilder gemacht. Foto: Picture Alliance / dpa
In diesem Boot versteckte Dschochar Zarnajew in den letzten Stunden vor seiner Festnahme, hier wurden auch die neu...Foto: Picture Alliance / dpa

Die Publikation der Bilder erfolgte ohne Erlaubnis der zuständigen Behörden. Murphy wurde deshalb vorerst seiner Pflichten enthoben, ihn erwartet jetzt eine polizeiliche Untersuchung.

Als Grund für die Veröffentlichung gab der langjährige Polizist seine Wut über die "glorifizierende" Coverwahl des amerikanischen Rolling Stone-Magazins an. "Als Polizist für über 25 Jahre glaube ich, dass das Bild auf dem Cover des Rolling Stone-Magazins eine Beleidigung für jede Person ist, die jemals eine Uniform getragen hat", gab er dem Boston Magazine zu Protokoll. Weiterhin beklagte er, dass das Titelbild die vom Attentat betroffenen Menschen "wieder wach hält. Es hat die Wunden, die niemals heilen, wieder gereizt. Es gibt nichts Glanzvolles daran, einer trauernden Familie mehr Schmerzen zuzufügen."

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