Dubai : Die Welt als Insel

Dubai eröffnet spektakulär "The Palm". Höhepunkt ist um Mitternacht das größte Feuerwerk, das es jemals auf der Erde zu sehen gab: 100.000 Feuerwerkskörper sollen entlang der 43 Kilometer lange Palmenküste gezündet werden.

Martin Gehlen[Kairo]
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The Palm. Die Häuser und Appartements auf der Insel sind alle verkauft. Foto: dpa

Auf Wunsch serviert der Zimmerbutler Champagner und Erdbeerparfait. Frank Sinatras „Unforgetable“ summt leise aus versteckten Lautsprechern. Vor dem seidenbezogenen Luxusbett schwebt ein majestätischer Teufelsrochen vorbei. Bläulich schimmern die Schwärme der Papageienfische, Zackenbarsche durchqueren das Panoramafenster, am Boden gründelt ein einsamer, warziger Krokodilfisch. 8500 Euro inklusive Frühstück kostet eine Nacht in den Unterwassersuiten „Poseidon“ und „Neptun“. 77 Zentimeter Panzerglas trennen den Gast von dem elf Millionen Liter großen Mega-Aquarium, in dem sich 65 000 Meerestiere tummeln.

Ihr künstliches Biotop bildet das Herzstück des nagelneuen „Atlantis The Palm“. Der rötliche Hotel-Palast mit 1539 Zimmern und einem 84 Meter hohen Torbogen bildet den spektakulären Schlusspunkt von Dubais Küstenkreation „Palm Jumeirah“ – die größte bisher von Menschenhand geschaffene Insel in Form einer Dattelpalme. Ihre aus Sand geformten Wedel schützen sichelförmige, als Wellenbrecher fungierende Aufschüttungen vor dem offenen Meer.

Kühn vermarktet als „achtes Weltwunder“ werden Luxusherberge und Kunsteiland heute Abend mit der teuersten Party aller Zeiten eingeweiht. 20 Millionen Euro lassen sich Dubais Herrscher Scheich Mohammed bin Rashid al Maktoum und der südafrikanische Hotelinvestor Sol Kerzner dieses Spektakel kosten. 1500 Gäste aus aller Welt sind eingeladen, darunter viele aus der Showbranche. Zugesagt haben Supermodel Naomi Campbell und die Hollywood-Stars Charlize Theron und Sharon Stone.

Höhepunkt der Eröffnung ist um Mitternacht das größte Feuerwerk, das es jemals auf der Erde zu sehen gab: 100 000 Feuerwerkskörper sollen entlang der 43 Kilometer lange Palmenküste gezündet werden. Bei der Eröffnung der Olympischen Spiele in Peking waren es lediglich 14 000. Komponiert hat das Großevent der gleiche Mann wie in China: Phil Grucci, dessen New Yorker Familienunternehmen zu den ganz Großen der Branche gehört und der seit Ronald Reagan alle Amtsantritte amerikanischer Präsidenten mitgestaltet hat. Drinnen auf der Bühne im Atlantis-Ballsaal stehen neben der britischen Pop-Ikone Kylie Minogue auch die in der arabischen Welt populäre libanesische Sängerin Nawal al Zoghbi. „Bollywood“-Star Priyanka Chopra wird als „Göttin von Atlantis“ auftreten. 2,5 Millionen Euro Gage bekommt allein Kylie Minogue für ihren 60-Minuten-Auftritt. Als der umtriebige Scheich „Mo“, wie ihn die Bewohner Dubais nennen, vor sieben Jahren die Pläne für die erste Palmeninsel präsentierte, wurde er ausgelacht. Heute ist „Palm Jumeirah“ mit seinen fünf Kilometern Radius neben der chinesischen Mauer das einzige menschliche Bauwerk, was vom Weltall aus mit bloßem Auge zu erkennen ist. 100 Millionen Kubikmeter Sand und Steine wurden bewegt. Als Material verwendeten die Ingenieure den Aushub, der bei der Vertiefung des Hafens der Vereinigten Arabischen Emirate anfiel. Gut drei Milliarden Euro wurden in den künstlichen Archipel gesteckt. Schon vor Baubeginn im Jahr 2002 waren alle 2650 Appartements und 1350 Anwesen verkauft. Eine kleine Wohnung mit Meerblick war ab 120 000 Euro zu haben. Eine Strandvilla gab es nicht unter einer Million Euro, Bootssteg und Pool inklusive. Heute reihen sich auf den 17 exklusiven Palmwedeln arabische Paläste, spanische Haziendas und sogar französische Landhäuser. Die reiche Kundschaft – darunter Michael Schumacher, David Beckham und Boris Becker – wurde ganz nach ihren Wünschen bedient. Aber die Finanzkrise hat auch Dubai erreicht, das um seinen Ruf als Stadt der unbegrenzten Möglichkeiten bangt. Führende Bauträger büßten in den letzten Wochen rund 80 Prozent ihres Börsenwerts ein. Die Immobilienpreise fielen um 30 Prozent.

Nirgendwo hat man einen besseren Blick auf die glitzernde Gigantomanie Dubais, als von der 18 000 Euro teuren Brückensuite zwischen den beiden Hoteltürmen des „Atlantis The Palm“. Zum 22. Stock mit seiner 924 Quadratmeter großen Wohnlandschaft geht ein privater Aufzug. Auf den Rundum-Balkonen sieht man die dicht gestaffelte Skyline der heranwachsenden Weltmetropole – für den amerikanischen Soziologen Mike Davis städtebaulich eine Mischung aus Albert Speer und Walt Disney. Acht von zehn Bewohnern sind inzwischen Ausländer. Nächstes Jahr wird hier der mit 818 Meter höchste Wolkenkratzer der Welt vollendet. Mit hitzigem Eifer wird alles angepackt, was menschen- und technikmöglich ist, und was Einnahmen für die Zeit nach dem Öl verspricht. Sieben Millionen Touristen reisten im letzten Jahr nach Dubai und steuerten 30 Prozent zu den Staatseinnahmen bei. Immer neue Betten-Paläste sprießen aus dem Boden.

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