Düsseldorf : Gasexplosion mit Mordabsicht?

Sechs Menschen starben 1997 bei einer Gasexplosion in einem Düsseldorfer Mietshaus. Nach juristischem Hin und Her sieht sich der Hauseigentümer Mordvorwürfen ausgesetzt - nicht zum ersten Mal.

KarlsruheZehn Jahre nach einer verheerenden Gasexplosion in Düsseldorf mit sechs Toten droht dem Eigentümer des gesprengten Mietshauses doch noch eine Verurteilung wegen Mordes. Der Bundesgerichtshof (BGH) hob heute das Urteil gegen den 48-Jährigen teilweise auf. In einem neuen Prozess muss das Landgericht Duisburg nun den Mordvorwurf prüfen. Der Angeklagte soll die Explosion im Keller des Hauses ausgelöst haben, um die Mieter - die sich einer Sanierung widersetzten - zum Auszug zu zwingen.

Das Landgericht Düsseldorf hatte im vergangenen Jahr einen Mordvorsatz verneint und den Hauseigner stattdessen wegen Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion sowie fahrlässiger Körperverletzung zu 13 Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. Die dort getroffenen Feststellungen bleiben laut BGH bestehen, so dass im neuen Prozess keine umfangreiche Beweisaufnahme notwendig ist.

Juristische Winkelzüge um den Mordvorsatz

Ein Mordvorsatz kann dem Senatsvorsitzenden Klaus Tolksdorf zufolge nur verneint werden, wenn der Angeklagte zum Zeitpunkt der Tat darauf vertrauen konnte, dass bei der Explosion niemand ums Leben kommt. "Das ist allerdings nur schwer vorstellbar", sagte Tolksdorf. Der Angeklagte habe bei seinem Vorgehen einen möglichen tödlichen Ausgang erkannt und gebilligt - dass er ihn nicht gewünscht habe, ändere nichts an seiner Schuld.

Die Verteidigerin des Hausbesitzers hatte zuvor argumentiert, ihr Mandant habe keinen Einsturz des Gebäudes bezweckt. "Maßgeblich sind die vom Angeklagten hingenommenen tödlichen Folgen, nicht aber, wie es genau zu den Folgen gekommen ist", sagte Tolksdorf. Menschen hätten auch dann getötet werden können, wenn das Haus - wie vom Angeklagten geplant - lediglich beschädigt worden wäre. Das Landgericht Düsseldorf habe den Mordvorsatz in seinem Urteil "rechtsfehlerhaft verneint".

Mit seiner Entscheidung kippt der BGH zum zweiten Mal eine Entscheidung in dem Mammutprozess. Ein erstes Urteil des Landgerichts Düsseldorf, das auf Lebenslang wegen sechsfachen Mordes lautete, hob das Karlsruher Gericht 2003 wegen eines Verfahrensfehlers auf. Heute bat Tolksdorf um Verständnis für die lange Dauer des Verfahrens, das "kein Ruhmesblatt der Justiz" sei. Manche Entscheidungen könne man allerdings nicht "übers Knie brechen". Das Bundesverfassungsgericht hatte den Angeklagten, der acht Jahre in Untersuchungshaft saß, wegen unangemessen langer Verfahrensdauer Ende 2005 auf freien Fuß gesetzt. (mit dpa)

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