Welt : Düstere Zukunft für Kiebitz und Feldhase

BONN (tdp).Viele in Deutschland heimische Tierarten sind weiterhin vom Aussterben bedroht oder in ihrem Bestand gefährdet.Der neuen "Roten Liste" zufolge, die das Bundesamt für Naturschutz am Donnerstag in Bonn vorstellte, hat sich die Lage in den vergangenen Jahren weiter verschlechtert."Eine Trendwende ist bisher nicht erreicht worden", sagte Bundesumweltminsterin Angela Merkel.

Die Neuauflage der "Roten Liste" umfaßt erstmals ganz Deutschland.Von den 45 000 hierzulande vorkommenden Tierarten konnten 16 000 hinsichtlich ihrer Gefährdung eingestuft werden.40 Prozent davon sind in den Kategorien "sehr seltene Art" bis "vom Aussterben bedroht" zu finden.Daneben gelten drei Prozent der Tierarten als "ausgestorben" oder "verschollen".

Auf die negative Gesamtbilanz schlägt sich die Wiedervereinigung noch positiv nieder.Ohne die Vielfalt etwa der Störche, Fisch- und Seeadler, Fledermäuse oder Biber in ostdeutschen Gebieten wäre das Bild weitaus schlechter ausgefallen.So aber sind auch einige der 1450 in Deutschland heimischen Großschmetterlinge, wie der 1984 noch als "verschollen" eingestufte Frankfurter Ringelspinner oder der Schwalbenschwanz, nicht mehr in der "Roten Liste" zu finden.Andere Artbestände, wie der an der Kreideküste Rügens beobachtete Eulenfalter (Chortodes morrisii), sind hinzugekommen, weil es in den alten Bundesländern keinen vergleichbaren Biotoptyp gab.

Mit der großzügigen Ausweisung von Schutzgebieten in den neuen Ländern sei eine Voraussetzung dafür geschaffen worden, daß dort eine positive Entwicklung anhalte, sagte Angela Merkel.Doch trotz einiger durch die Wiedervereinigung bedingter positiver Effekte, sieht die Zukunft vieler Tierarten unverändert düster aus.

So ist nach den Erhebungen, an denen über 450 Wissenschaftler beteiligt waren, der Bestand von rund einem Drittel der 100 untersuchten Säugetierarten gefährdet.Ähnlich sieht die Lage bei Brutvögeln aus.Neu in der Kategorie "gefährdet" taucht beispielsweise der Kiebitz auf.

Der Feldhase sei inzwischen nahezu bundesweit gefährdet, sagte der Präsident des Bundesamtes für Naturschutz, Martin Uppenbrinck.Verantwortlich dafür seien etwa die Lebensraumknappheit, Krankheiten, Nahrungsmittelverlust, aber auch die Zunahme natürlicher Feinde, etwa der Füchse.

Die "Warnrufe" seien deutlich, sagte Bundesumweltministerin Angela Merkel.Der Schwerpunkt der Naturschutzpolitik müsse auf den Schutz von Lebensbedingungen nicht nur in begrenzten Reservaten ausgerichtet sein.Dazu werde die Bundesregierung mit den Ländern ein Bundeslandschaftskonzept erarbeiten.Der Naturschutzbund betonte unterdessen, daß mit dem bestehenden gesetzlichen Instrumentarium kein wirksamer Schutz erreicht werden könne.

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