Duisburg-Morde : Festnahme im Versteck

Nach den Mafiamorden von Duisburg wurde nun der mutmaßliche Haupttäter festgenommen.

Jürgen Zurheide

DüsseldorfHolger Haufmann verbietet sich jeden Triumph in der Stimme. „Für uns ist das ein guter Tag“, sagt er und schildert, was sich in Amsterdam abgespielt hat. Dort hat in der Nacht zum Freitag ein internationales Polizeiteam den mutmaßlichen Haupttäter für die Mafiamorde aus Duisburg festnehmen können. „Sie haben nicht mit uns gerechnet“, erzählt der Duisburger Kripochef und lässt nicht den geringsten Zweifel aufkommen, dass die Bluttat vom 15. August 2007 nun aufgeklärt ist. Die Fahnder haben Giovanni Strangio in seiner Wohnung nahe der Amsterdamer Altstadt um 23 Uhr 10 überrascht, der 30-Jährige wollte gerade ins Bett. Mit Strangio, den Haufmann und seine Kollegen seit Sommer 2007 mit internationalem Haftbefehl gesucht haben, ist den Fahndern dessen Schwager Francesco Romeo ins Netz gegangen, er soll ebenfalls zu den Hintermännern der Duisburger Mordtaten zählen.

Für die Ermittler ist damit ein Fall weitgehend abgeschlossen, der viel Aufsehen erregt hat. Bis zu jener Mordnacht am 15. August galt in Deutschland der Grundsatz, dass sich die Mafia hier zwar aufhält und das Land als Rückzugsraum nutzt, aber eben nicht aktiv wird oder gar durch Morde auffällt. Diese Illusion wurde damals zerstört. Die beiden Täter hatten sechs Italiener vor der Pizzeria „Da Bruno“ kaltblütig erschossen. Am Schauplatz fanden die Beamten anschließend insgesamt 70 Kugeln, die Opfer wurden am Ende jeweils noch durch gezielte Fangschüsse getötet.

Viele Spuren führten nach Kalabrien. Dort tobt in San Luca ein Krieg unter zwei Mafiastämmen der ’Ndrangheta, an der der Strangio-Nirta-Clan beteiligt ist. Die Ermittler waren überzeugt, dass die Duisburger Morde ein Racheakt waren. In San Luca war eine Verwandte von Giovanni Strangio erschossen worden. Dieser, vermuten die Ermittler inzwischen, sollte die Bluttat rächen, denn die sechs Mitarbeiter der Pizzeria gehörten zum Teil zum verfeindeten Clan.

„Sie führten ein normales Leben, mischten sich unter die Leute und tarnten sich oft mit Hüten oder Brillen“, berichtete Haufmann nun über die Festgenommenen. Der Aufenthaltsort in den Niederlanden war naheliegend, schon die Fluchtroute deutete darauf hin. Außerdem war kürzlich der Kopf der Familie Nirta in Amsterdam festgenommen worden. Dabei wurde in dessen Fluchtwohnung eine deutsche Feinstaubplakette für ein Fahrzeug aus Frankfurt am Main gefunden. Der Pkw-Halter wurde beschattet und führte die Beamten schließlich zu Strangio und dessen Umfeld.

Seit dem 2. März hatten die Fahnder ihn fest im Blick; in der Nacht zu Freitag haben sie ihn festgesetzt. Ob ihm allerdings in Deutschland der Prozess gemacht werden kann, ist fraglich, weil auch die Italiener seine Auslieferung beantragt haben. mit ddp

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