Durchfall : Lebensgefährlicher EHEC-Erreger breitet sich aus

Immer mehr Menschen erkranken am EHEC-Erreger, einer schweren Durchfallerkrankung. Nach wie vor suchen die Behörden nach dem Auslöser für die Infektionen.

EHEC-Bakterium.
EHEC-Bakterium.Foto: dpa

Eine ungewöhnliche Häufung schwerer Darminfektionen mit dem lebensgefährlichen EHEC-Erreger alarmiert die Gesundheitsbehörden. In Norddeutschland wurden bis Sonntag mindestens 70 Fälle gezählt, in Frankfurt am Main liegen zwei Patienten im künstlichen Koma. Die Erreger führen zu schweren Durchfällen. Wer darunter leidet, sollte unbedingt einen Arzt aufsuchen. Der Verlauf der meldepflichtigen Erkrankungen ist nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) bei den aktuell bekannten Fällen ungewöhnlich schwer.

In Niedersachsen wurden nach Angaben des Gesundheitsministeriums mindestens 25 Betroffene registriert. Hamburg hat 13 Erkrankte gemeldet, das Kieler Gesundheitsministerium geht für Schleswig-Holstein von etwa 20 Fällen aus. Auch Kliniken in Bremen registrierten eine Häufung von EHEC-Infektionen. Allein in Bremerhaven würden derzeit etwa 20 Fälle behandelt, sagte ein Sprecher des niedersächsischen Gesundheitsministeriums. In Mecklenburg-Vorpommern gibt es nach Behördenangaben drei Verdachtsfälle. Der Berliner Gesundheitsbehörde waren bis Sonntagabend keine Fälle aus Berlin bekannt. Das Berliner Robert-Koch-Institut war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Nach wie vor suchten die Behörden nach dem Auslöser für die Infektionen. Bislang lägen jedoch keine Ergebnisse vor. Unklar sei, ob es sich um einen gemeinsamen Erreger handle. Anhaltspunkt sei das gemeinsame zeitliche Auftreten der Fälle. In Hessen gebe es derzeit mehrere Infektionsfälle und "sehr, sehr viele" Verdachtsfälle, sagte der Leiter der Infektionsepidemiologie am RKI, Gérard Krause, im Hessischen Rundfunk. Es wird hier vermutet, dass die EHEC-Erreger (Enterohämorrhagische Escherichia coli) von ungewaschenem Gemüse oder Obst übertragen wurden.

Natürliches Reservoir der EHEC-Bakterien ist der Darm von Wiederkäuern, speziell von Rindern. Die Infektion kann durch direkten Kontakt mit Tieren oder deren Ausscheidungen sowie durch den Verzehr von kontaminierten Lebensmitteln erfolgen, zum Beispiel Rindfleisch oder Rohmilch. Rindfleisch sollte deshalb nicht roh verzehrt werden. Der Erreger kann auch von Mensch zu Mensch weitergegeben werden, vor allem durch eine sogenannte Schmierinfektion aufgrund mangelnder Hygiene. Den besten Schutz gegen eine Übertragung bietet daher etwa gründliches Händewaschen.

In Norddeutschland sind fast alle Betroffenen Erwachsene im Alter zwischen 19 und 55 Jahren, darunter überwiegend Frauen. Nach bisherigen Erkenntnissen erkrankten die ersten Patienten um den 10. Mai. Ein Teil von ihnen liegt in kritischem Zustand auf Intensivstationen. Die Hamburger Gesundheitsbehörde warnte, EHEC-Infektionen könnten auch ohne Beschwerden verlaufen und somit unerkannt bleiben. Die Mehrzahl der erkannten Erkrankungen trete als unblutiger, meistens wässriger Durchfall in Erscheinung. Begleitsymptome seien Übelkeit, Erbrechen und zunehmende Bauchschmerzen, seltener Fieber. Bei 10 bis 20 Prozent der Erkrankten verlaufe die Infektion hingegen schwer. Es handle sich dann um eine blutige Darmentzündung mit krampfartigen Bauchschmerzen, blutigem Stuhl und teilweise Fieber bis hin zu Nierenversagen oder tödlichem Ausgang. (Tsp/dapd)

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