Welt : Durchs All gedöst

Chinas erster Astronaut durfte nur liegen und essen

Harald Maass[Peking]

„…Wu, Si, San, Er, Yi", tönte der Countdown aus dem Lautsprecher des Weltraumbahnhofs Jiuquan in Westchina. Dann das Kommando zur „Dianhuo!" – „Zündung!". Mit einem Feuerstrahl stieg die 58 Meter große Rakete über der Wüste Gobi auf. Ein paar Minuten war „Shenzhou 5" noch in dem blauen Morgenhimmel zu sehen. Dann verschwand das Raumschiff in den Tiefen des Weltalls. An Bord: der erste chinesische Raumfahrer Yang Liwei.

Nach der Sowjetunion und den USA hat China als dritte Nation der Erde mit einer eigenen Rakete einen Menschen in den Weltraum geschossen. Am Mittwoch früh um 9 Uhr Pekinger Zeit startete die 479 Tonnen schwere Trägerrakete vom Typ „Langer Marsch 2F" mit dem Raumschiff vom Weltraumzentrum Jiuquan in Westchina. Das Raumschiff „Shenzhou 5" habe wie geplant zehn Minuten später seine vorläufige Erdumlaufbahn erreicht und seine Sonnensegel entfaltet, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua. „Shenzhou 5" heißt übersetzt so viel wie „Magisches Schiff". Das Raumschiff sollte die Erde 14 Mal umrunden. Yang sollte während des gesamten Fluges in dem Raumschiff bleiben. Ein Weltraumspaziergang war nicht vorgesehen.

Offenbar aus Angst vor einem Unfall war der Start nicht live, sondern erst mit Verzögerung im Fernsehen übertragen worden. Die Staatsmedien bezeichneten den Start jedoch umgehend als Erfolg. „Ich fühle mich gut und mein Zustand ist normal", zitierte Xinhua den Astronauten Yang Liwei.

Nach sieben Stunden im Weltall meisterte „Shenzhou 5" auch die zweite Hürde. Nachdem es zuvor auf einer Ellipse um die Erde geflogen war, wechselte das Raumschiff um 15:57 Uhr auf eine konstante Umlaufbahn in 343 Kilometer Höhe. Für dieses Manöver wurden erfolgreich die Haupttriebwerke eingesetzt, die für eine erfolgreiche Rückkehr zur Erde notwendig sind. Chinesische Raumfahrtexperten betonten, dass in „Shenzhou 5" mehrere Notfallsysteme eingebaut seien. Bei technischen Problemen könne die Raumkapsel auch früher zur Erde zurückkehren.

Wie bei den vier vorausgegangenen Testflügen wurde Chinas erstes bemanntes Raumschiff während des gesamten Fluges von der Erde aus gesteuert. Taikonaut Yang Liwei, dessen Name erst kurz vor dem Start bekannt gegeben wurde, konnte sich also im Grunde ausruhen. Drei Stunden nach dem Start lag der 38-Jährige in seinem weißen Raumanzug in einer so genannten „Ruhestellung" auf dem Rücken in der Kapsel und döste.

Zuvor hatte Yang ausgiebig zu Mittag gegessen. Raumfahrtspezialisten hatten extra für den Flug klassische chinesische Gerichte wie „Gongbaojiding" („Hühnchen mit Erdnüssen"), „Yuxiangrousi" („Schweinefleisch mit Fischgeschmack") und „Babaofan" („Acht Schätze Reis") für den Verzehr in der Schwerelosigkeit vorbereitet. Zur Stärkung habe Yang chinesische Kräutersäfte getrunken. Der Flug sei eine „Ehre für unser großes Mutterland" und der „erste Schritt des chinesischen Volkes an die Weltspitze der Wissenschaft und Technologie", hatte Staats- und Parteichef Hu Jintao vor dem Start erklärt. Das chinesische Staatsfernsehen zeigte später Bilder von klatschenden Vertretern chinesischer Minderheiten in bunten Kostümen.

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