Welt : DVD: Die Datenträger können bald wie Video bespielt werden

Gerhard Trey

Kostenlos Filme auf eine CD-Scheibe brennen, wie beim Video, davon träumen Kunden seit langem. Ein erster Schritt ist jetzt getan. Das Bespielen von so genannten DVDs, dem Video-Nachfolger, wird bald auch für die private Nutzung erschwinglich: Für Ende dieses Monats hat der Elektronikhersteller Pioneer die Einführung eines neuen DVD-R-Recorders zum Preis von rund 2000 Mark angekündigt, berichtet die in Hannover erscheinende Computerzeitschrift "c&t" (Ausgabe 6/2001). Der DVD-R-A03 soll vom gleichen Zeitpunkt an in G4-Rechnern des Computerherstellers Apple eingebaut werden. Apple will außerdem die entsprechenden Rohlinge zum Stückpreis von weniger als 30 Mark anbieten. Die selbst gebrannten DVD-R-Medien sollen sowohl von DVD-Rom-Laufwerken in Computern als auch von DVD-Video-Playern gelesen werden können.

Zurzeit herrscht bei dem neuen Medium DVD eitel Sonnenschein. Die Video-Nachfolger gehen weg wie warme Semmeln. Scheibe rein und schon geht der Film oder die Audio-CD in sehr viel besserer Qualität ab. Doch wer nicht nur Filme abspielen will, sondern auch vom Fernseher aufnehmen möchte, der konnte bislang mit DVD noch wenig anfangen. Das ändert sich jetzt. Noch ist unklar, wann außer Pioneer die anderen großen Elektronik-Hersteller nachziehen werden. Panasonic, Philips und Pioneer wollen in diesen Tagen neue Gespräche über ein einheitliches System führen. Es wird erwartet, dass bis zur Berliner Funkausstellung im August Aufzeichnungsgeräte auch der anderen Hersteller auf dem Markt sein werden.

Und wie sieht es mit kostenlosen Spielfilmen aus dem Internet aus? Davon träumen viele. Alle gewünschten Filme einfach herunterladen, ohne etwas zu bezahlen. So wie es viele mit Musik machen. Doch das Herunterladen mit herkömmlicher Technik bei vernünftiger Bildqualität ist etwa bei einem ISDN-Anschluss noch völlige Utopie. Anders als bei Musik würde das für einen Spielfilm Tage dauern. Mit neuen, enorm schnellen Datenwegen, hoher Kompression und superschnellen Rechnern wäre es vorstellbar. Aber ob das überhaupt attraktiv ist, bleibt fraglich. Der derzeitige Ärger in der Musikindustrie macht da nachdenklich.

Streit um Napster spitzt sich zu

New York (dpa). Nachdem die US-Musikindustrie der Internet-Musikbörse Napster am letzten Freitag eine Liste mit 135 000 urheberrechtsgeschützten Titeln zugeschickt hat, muss Napster nun bis Mittwochabend diese Songs aus seinem Angebot herausfiltern, um der Auflage des Gerichts nachzukommen. Zugleich wurde zwischen der Musikindustrie und Napster für Freitag ein weiteres Schlichtungsgespräch angesetzt. Es soll geklärt werden, ob sich die Kontrahenten doch noch gütlich einigen können oder ob die Auseinandersetzung ein weiteres Mal vor Gericht getragen werden muss, berichtet der Online-Informationsdienst CNet ( www.news.com ). Weder Napster noch die Plattenlabel geben Informationen darüber preis, was sie am Freitag für Zugeständnisse machen wollen. Gleichzeitig mehren sich im Netz die Angebote von Programmen, die den Filter umgehen. Der Napster-Konkurrent Aimster will in der kommenden Woche eine Software namens "Scorpion" vorstellen, die die Buchstaben von Song-Namen beinahe beliebig durcheinander würfelt und sie bei der Songrecherche im Hintergrund wieder entschlüsselt. Damit hätte dieses Programm einen deutlichen Vorteil gegenüber einem bereits veröffentlichten, bei dem einfach der letzte Buchstabe jedes Wortes an den Anfang gestellt wird. Diese "Pig Latin" genannte Vorgehensweise wird vom Napster-Filter inzwischen erkannt. Überdies arbeiten Napster-Konkurrenten wie Gnutella oder Aimster ohne zentrale Server. Damit kann gegen sie sowohl juristisch als auch technisch erheblich schwieriger vorgegangen werden.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben