E-Mails aus dem All : "Die Erde sieht so fragil aus"

Ein Bremer hält privaten Dauerkontakt zum deutschen Astronaut Thomas Reiter auf der Internationalen Raumstation ISS. In den E-Mails schreiben sich die Freunde von privaten Erlebnissen.

Bremen - Horst Michaelis ist immer voller Vorfreude, wenn er sein E-Mail-Fach öffnet. Denn möglicherweise ist dort Post aus dem Weltall für ihn angekommen. Michaelis gehört zu den wenigen Menschen, die dem deutschen Astronauten Thomas Reiter E-Mails auf die Internationale Raumstation ISS schicken dürfen. Und die Antwort lässt nur selten lange auf sich warten. "Das ist schon ein besonderes Gefühl, ganz persönliche Eindrücke aus 400 Kilometern Höhe über der Erdoberfläche zu bekommen", sagt Michaelis.

Vor fünf Jahren lernten sich der Ingenieur Michaelis und der Astronaut Reiter über die Arbeit zum Weltraumlabor Columbus kennen. Das war in Bremen bei dem Unternehmen Astrium Space Transportation. Ihre Schreibtische standen nur drei Büros voneinander entfernt. "Durch die tägliche Zusammenarbeit ergab sich eine freundschaftliche Beziehung", sagt Michaelis. Reiter wollte deshalb auch während der sechs Monate auf der ISS mit Michaelis in Kontakt bleiben und gab dessen E-Mail-Adresse bei der Nasa an. Nach einer Test-Mail stand die Verbindung. Alle E-Mails an Reiter werden einmal täglich über das Nasa-Kontrollzentrum in Houston zur ISS geschickt. "Da kommen nur die E-Mails hoch, die freigegeben sind", erklärt Michaelis.

"Erde sieht so fragil aus"

In seinen Antworten schreibt Reiter seinem Freund beispielsweise, dass er nicht müde werde, die Erde anzusehen. Und davon, dass er vergesse, dass es Grenzen gebe. Die Erde sei von großer Schönheit und sehe so fragil aus, lässt er Michaelis aus dem All wissen. Er erzählt von seinem Außenbordeinsatz, grüßt alte Kollegen und Michaelis' Familie. "Das, was wir uns schreiben, sind überwiegend private Dinge", sagt Michaelis. Nur selten gehe es dabei im Detail um die Experimente, die Reiter auf der ISS mache.

Lieber erzählt Michaelis seinem Freund, was für schöne Tore Werder Bremen vor einigen Spieltagen geschossen habe und davon, dass er demnächst ein Konzert von Lionel Richie besuchen werde. "Fußball und Musik interessieren Thomas", sagt Michaelis. Bestimmte Themen, wie beispielsweise den Tod des kleinen Bremers Kevin, lässt Michaelis bewusst in seinen E-Mails weg. "Solche Themen würden ihn unnötig belasten. Er könnte sie nicht mit seinen amerikanischen und russischen Kollegen besprechen und müsste sie mit sich selbst ausmachen", sagt Michaelis. Nach Reiters Rückkehr sei noch genügend Zeit, um über aktuelle Nachrichten zu reden. "Jetzt möchte ich ihm von positiven Dingen erzählen", sagt er.

Geburtstags-Anruf aus dem All

Ende Juli kam die erste Weltraumpost bei Michaelis an. Drei Wochen zuvor, am 4. Juli, war Reiter an Bord der Discovery vom Kennedy Space Center im amerikanischen Florida zu seiner Weltraum-Mission gestartet. Michaelis hatte ihn dort gemeinsam mit weiteren Freunden und der Familie verabschiedet. "Kurz vor dem Start war ich selbst ganz schön aufgeregt", sagt Michaelis. Dann habe er sich gefreut, dass alles so reibungslos geklappt habe. Das hat er Reiter auch geschrieben. Er hängte ein Foto an, auf dem die Freunde und die Familie den geglückten Start feierten.

Die erste E-Mail schickte Michaelis los. Da war Reiter bereits zwei Wochen auf der ISS. "Ich wollte ihm genügend Zeit geben, sich an seinen neuen Arbeitsplatz in der Station und an die Schwerelosigkeit zu gewöhnen", sagt Michaelis. Auch habe Reiter bereits erste wichtige Experimente machen müssen.

Mittlerweile hat der Ingenieur von seinem Freund sogar schon einen Anruf aus dem All bekommen. Reiter gratulierte ihm zum Geburtstag. "Damit hatte ich gar nicht gerechnet", sagt Michaelis. "Aber es war eine tolle Überraschung." Am 18. Dezember soll Reiter nach jetziger Planung wieder am Kennedy Space Center landen. Michaelis wird ihn dann in Florida zusammen mit weiteren Freunden und der Familie willkommen heißen (Von ddp-Korrespondentin Claudia Kuzaj)

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