Welt : E.T.setzt R2-D2 die Siegerkrone auf

ANDREAS CONRAD

Ganze 2 Minuten, 41 Sekunden mehr: Nach 20 Jahren rüsten sich die Kinos noch einmal zum "Krieg der Sterne"VON ANDREAS CONRADEine unzureichend komponierte Szene, in der Tat: Unten links ragt das Kopfgehäuse von R2-D2 ins Bild, die rechte Hälfte füllt der ungelenke Blechleib von C - 3PO aus.Die beiden Roboter beäugen zwei ins Gespräch vertiefte, im perspektivischen Fluchtpunkt angeordnete Figuren.Einer ist durch seine Rüstung als Darth-Vader-Krieger identifizierbar, der andere ein intergalaktischer Zivilist.Diese Bildkomponenten sind wohldurchdacht aufeinanderbezogen, Spannung liegt in der Luft - und doch: Oben links klafft, in übertragenem Sinne, ein Schwarzes Loch.Weltraumschrott liegt dort herum, kein hinreichendes Gegengewicht zu den metallenen Kameraden im Vordergrund. 20 Jahre hat sich George Lucas Zeit gelassen, diese Lücke in seinem "Krieg der Sterne" zu füllen.Seine Lösung: "Jurassic Park".Denn einem urzeitlichen Evolutionsstadium scheint doch die Mischung aus Nilpferd und Saurier zu entstammen, auf dem jetzt, digital dazugemogelt, ein weiterer Darth-Vader-Soldat ins Bild geritten kommt, nicht sehr elegant übrigens, doch imposant. Andere Änderungen sind gravierender: Harrison Ford, der ein Weltraummonster vor 20 Jahren noch ohne akzeptables Motiv über den Haufen schießen durfte, handelt jetzt in Notwehr: Das Monster schießt zuerst, allerdings daneben.Zwei Minuten, 41 Sekunden sind durch dies und das digital dazugekommen, entscheidender sind jedoch die akustische und optische Überarbeitung und Auffrischung der Weltraumoper.An THX etwa war 1977 nicht zu denken. Ab der kommenden Woche dürfen auch die deutschen Zuschauer dazu beitragen, dem "Krieg der Sterne" seine Spitzenstellung als erfolgreichster Film aller Zeiten zu sichern.Auf lange Zeit dürfte sie unerreichbar sein.Als der erste Teil der "Star Wars"-Trilogie erstmals durch die Kinos geschickt wurde, spielte er allein in den USA knapp 323 Millionen Dollar ein.Seit dem Start der überarbeiteten Fassung am 31.Januar kamen noch einmal 131 Millionen Dollar hinzu, das weltweite Ergebnis liegt damit bei über 900 Millionen Dollar.Ein hübsches Zusatzsümmchen, hält man die zehn Millionen, die die Restaurierung kostete, und die 30 Millionen für die Werbekampagne dagegen.Auch Steven Spielberg, Regisseur des bisherigen Spitzenfilms "E.T.", zollte dem Anerkennung und schaltete im "Daily Variety" eine Anzeige: E.T.setzt R2-D2 die Krone auf. An der Reklame für den erneuten Filmstart beteiligten sich indirekt auch Hollywoods Prominente, wurden von Blättern wie "People" oder "Premiere" gerne eingespannt in erinnerungsträchtige Befragungen nach ihrem erstem "Sterne"-Kontakt.Meryl Streep amüsierte sich noch immer über die biederen Haarschnecken von Prinzessin Leia, erinnerte sich an den ersten Auftritt eines ihr damals unbekannten Jungschauspielers ("Harrison who?"), während Jungmime Leonardo DiCaprio nur mit einer Wiederaufführung als frühester "Star Wars"-Erfahrung aufwarten konnte. Ein die Generationen übergreifendes Spektakel also, dem auch die deutschen Pressevorführungen Rechnung tragen.In fünf Kinos in Berlin, Hamburg, Köln, Frankfurt und München ist an diesem Sonntag der erste Teil der Trilogie zu sehen, ausdrücklich wurden auch die Familien der Journalisten eingeladen, ein schon in den USA erprobtes, von Lucasfilm gewünschtes Konzept, wie es beim Verleih 20th Century Fox heißt.Dieser startet den "Krieg der Sterne" mit etwa 500 Kopien, gegenüber "Independence Day" (über 900) fast eine moderate Zahl. Nur in Berlin gibt es am Sonnabend eine Preview im Zoopalast (ausverkauft) mit anschließender Party im Kugelkino "Magic Balloon" (nicht ausverkauft).Dort feierte schon Warner Bros.während der Berlinale den "Mars attacks!"-Start, mit aufwendig gestalteteter Science-fiction-Kulisse.An der äußerte auch die Fox-Konkurrenz Interesse, vergeblich: Warner baute alles wieder ab.Der "Krieg der Sterne" tobt bisweilen auch um einen Tresen.

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