Welt : Ebola-Alarm bei den Pygmäen

Christoph Link

Die Seuche kann jederzeit wieder ausbrechen: Diese Meinung hatten Ärzte im Februar diesen Jahres nach einer der schlimmsten Ebola-Epidemien in Gulu in Uganda geäußert - 214 Menschen waren damals gestorben. Jetzt ist der Fall tatsächlich eingetreten, auch in einer Region des tropischen Regenwaldes - allerdings Tausende von Kilometern von Uganda entfernt. Im relativ wohlhabenden Ölexportland Gabun sind an dieser tropischen Fieberkrankheit jetzt elf Menschen gestorben.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf hat gestern bestätigt, dass es sich tatsächlich um Ebola handele. "Die Situation ist jetzt unter strenger Überwachung. Erste Maßnahmen betreffen eine Isolierung von Kontaktpersonen der Erkrankten", sagte Gregory Hartl, Sprecher der WHO in Genf. Die WHO hatte am Wochenende ein Team von fünf Ärzten nach Mekambo im Norden von Gabun geschickt, die das dortige Medizinpersonal verstärken sollen. Ein zweites Expertenteam der WHO sollte am Montagabend zur Unterstützung der örtlichen Gesundheitsbehörden nach Gabun geflogen sein. Die Teams sollen bei der Eindämmung der Krankheit helfen und medizinisches Personal mit dem Umgang von Masken und Handschuhen vertraut machen, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern.

Entsetzliches Krankheitsbild

Die Krankheit war nach Aussage des gabunesischen Gesundheitsministers in einem kleinen Dorf der Pygmäen rund 60 Kilometer südlich der Provinzstadt Mekambo ausgebrochen.

Als ein Glück im Unglück bezeichnen es die Experten, dass der Infektionsherd relativ klein ist und daher rasch unter Kontrolle gebracht werden kann. Von den elf Toten gehören zehn einer Familie an. Die elfte Tote ist eine Krankenschwester, die mit der Pflege der Infizierten betraut war. Mekambo war vor fünf Jahren schon einmal Schauplatz eines Ebola-Ausbruchs, damals starben dort 66 Menschen.

Ebola ist ein hämorrhagisches Fieber, das 1976 erstmals am Fluss Ebola im Nordkongo entdeckt wurde. Die Krankheit, die über Fadenviren übertragen wird, verläuft in 50 bis 90 Prozent aller Fälle tödlich. Sie beginnt mit hohem Fieber, schwerem Durchfall und Erbrechen. Im Endstadium, das schon nach ein bis zwei Tagen erreicht werden kann, bluten die Fieberpatienten aus allen Körperöffnungen, aus Darm, Nase, Mund und Augen - ein grässliches Krankheitsbild.

Ebola ist hoch ansteckend und wird über Tröpfchen übertragen, sei es Blut, Schweiß, Spucke oder Sperma. Einen Impfstoff gibt es nicht. Noch unklar ist die Ursache einer anderen grassierenden Fieberseuche in der Demokratischen Republik Kongo.

Rund 1000 Kilometer Luftlinie entfernt vom Ebola-Seuchenherd in Gabun, in der Region Dekese in der Provinz Kasai-West im Kongo, sind dieser Tage 17 Menschen an einem hämorrhagischen Fieber gestorben, weitere 30 Personen sind daran erkrankt. Nach Ansicht der Weltgesundheitsorganisation, die ein Team vor Ort schickte, handelt es sich offenbar nicht um Ebola. Auch in Dekese starben die Erkrankten innerhalb von 24 bis 36 Stunden nach Ausbruch der ersten Fieberzeichen. Die Arbeit des medizinischen Personals in Dekese wird durch den Bürgerkrieg im Kongo erschwert.

Dekese liegt in einem Gebiet, das unter Kontrolle einer Rebellenbewegung ist. Das von der Fieberkrankheit betroffene Dorf Mbisangandu ist nur schwer erreichbar: Reisende müssen die erste Etappe mit dem Flugzeug zurücklegen, danach folgt eine Tagesreise mit einem Kanu und anschließend ein 15-Kilometer-Marsch durch dichten Regenwald.

Die Blutanalysen müssen vom Kongo in das nächste für hämorrhagisches Fieber zuständige Labor, nach Südafrika, ausgeflogen werden. Bis die Ergebnisse vorliegen, kann mehr als eine Woche Zeit vergehen.

Neben Ebola gehören auch das Lassa- und eine bestimmte, schwere Form des Dengue-Fiebers zur Gruppe der hämorrhagischen Fiebererkrankungen. Neben hoher Temperatur können Infizierte an Blutungen und Gewebeschäden leiden. In schwersten Fällen stirbt der Patient an inneren Blutungen und Organversagen. Die Erreger sind unter anderem in Afrika, Asien, aber auch in Süd- und Mittelamerika nachgewiesen worden. In unseren Breitengraden kommen sie nur extrem selten als importierte Viren vor. Schon der Verdacht auf eine Erkrankung ist in Deutschland meldepflichtig.

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