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Ebola : Ebola-Patient nach Hamburg evakuiert

Der Epidemiologe dokumentierte den Ebola-Ausbruch für die WHO in Sierra Leone. Am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf wird er „bestmöglich“ versorgt.

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Alarm in Hamburg: Ein besonderer Rettungswagen hat den Ebola-Patienten am Flughafen abgeholt.
Alarm in Hamburg: Ein besonderer Rettungswagen hat den Ebola-Patienten am Flughafen abgeholt.Foto: dpa

In Deutschland wird erstmals ein Ebola-Patient behandelt. Der Patient sei ein Epidemiologe des Institut Pasteur in Dakar/ Senegal. Er habe im Auftrag der Weltgesundheitsorganisation (WHO) seit Monaten die Ausbreitung des Ebola-Virus in Sierra Leone (Westafrika) dokumentiert und analysiert, aber keinen direkten Kontakt zu Patienten oder Erregermaterial gehabt, sagte WHO-Sprecher Pieter Desloovere. Am Wochenende wurde die Infektion bestätigt, danach suchte die WHO sofort nach Möglichkeiten, den Experten zu evakuieren. Hamburg habe zuerst auf die Anfrage geantwortet. „Es geht uns um die bestmögliche Behandlung“, sagte Desloovere. „Das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf hat einen ausgezeichneten Ruf."

Das Flugzeug ist am Mittwochvormittag auf dem Hamburger Flughafen gelandet. Es wurde von einem Infektionsrettungswagen der Hamburger Feuerwehr erwartet, der für solche Patienten ausgelegt ist. Mit einem Konvoi mehrerer Feuerwehrfahrzeuge und unter Polizeischutz wurde der Wissenschaftler zum Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) geleitet. Der Patient wird nun auf der Isolierstation versorgt.

Der Patient sei in einem Zustand, „der uns hoffen lässt", sagte der Tropenmediziner Stefan Schmiedel bei einer Pressekonferenz. Es werden keine experimentellen Medikamente eingesetzt. Stattdessen setze man auf eine unterstützende Behandlung - etwa Schmerztherapie, Fiebersenkung und Flüssigkeitsmanagement. „Wir glauben, dass diese einfachen Maßnahmen bereits die Sterblichkeit der Ebola-Erkrankung deutlich senken.“

Keine Gefahr für die Bevölkerung

Eine Gefahr für die Bevölkerung besteht nicht. Die Seuchenstation ist hermetisch von der Außenwelt abgeschirmt. Die drei Zimmer mit sechs Betten haben eigene Schleusen; die Raumlufttechnik verhindert, dass Erreger entweichen. Ärzte und Pfleger betreten den Bereich nur in „Raumanzügen“, wie sie in Hochsicherheitslaboren üblich sind. Ähnliche Stationen gibt es zum Beispiel in München, Frankfurt am Main, Leipzig und Berlin.

Bereits im Juli war das Klinikum in Alarmbereitschaft versetzt worden. Der Chefvirologe Sierra Leones sollte dort behandelt werden, die Regierung des Landes hatte deshalb über die WHO eine Anfrage geschickt. Der Arzt war jedoch transportunfähig. Sein Zustand verschlechterte sich zunehmend, er starb.

Bisher haben sich mehr etwa 240 Ärzte und medizinische Helfer in Westafrika angesteckt, viele arbeiten bis zur Erschöpfung. Seit dem Ausbruch der Seuche im März starben in Sierra Leone, Liberia, Guinea und Nigeria laut WHO mindestens 1427 Menschen, 2625 haben sich infiziert.

Wie sich der Epidemiologe aus dem Senegal angesteckt hat, ist bisher unbekannt. Er arbeitete in Kalaihun, einem Epizentrum des Ausbruchs. Die WHO schickte nun ein Team, das sich Wohn- und Arbeitsbedingungen in Kalaihun genau anschaut. Die Experten, Ärzte und Pflegekräfte, die bisher für die WHO dort arbeiteten, wurden in die Hauptstadt Freetown abgezogen. „Die Infektion ihres Kollegen war eine traumatische Erfahrung für sie“, sagte Desloovere. In Freetown sollen sie erst einmal durchatmen. Ein anderes Team steht als Ablösung bereit. Es ist das erste Mal, dass sich ein internationaler Helfer infiziert hat, der unter der Verantwortung der WHO arbeitete.

Ebola wird durch Körperflüssigkeiten eines Kranken übertragen. Das Virus gehört zu den gefährlichsten Krankheitserregern der Welt. Es kann unter anderem zu Fieber und schweren Blutungen führen. Eine Ansteckung ist in der Regel nur im direkten Kontakt mit einem Patienten möglich - zum Beispiel durch Körperflüssigkeiten.

Vor kurzem hatte ein vermeintlicher Ebola-Fall in Berlin für Aufregung gesorgt. Eine Frau, die zuvor Urlaub in Nigeria gemacht hatte, war in einem Jobcenter im Bezirk Prenzlauer Berg zusammengebrochen. Daraufhin riegelten Feuerwehr und Polizei das Gebäude vorübergehend ab. Später stellte sich heraus, dass die Frau an Malaria erkrankt war. mit dpa und rtr

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