Ebola in Westafrika : Deutschland erklärt den Notfall Ebola für beendet

Sonderbeauftragter Walter Lindner sieht wegen der späten Hilfe Anlass für Demut und will für die Zukunft daraus lernen. Der Krisenstab wird aber in der kommenden Woche aufgelöst.

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Sieben Monate lang hat Walter Lindner als Ebola-Sonderbeauftragter die deutschen Hilfen koordiniert. Sieben Mal war er in den drei am meisten betroffenen westafrikanischen Ländern unterwegs. Das Foto zeigt ihn in Monrovia Anfang April. Nun will er erreichen, dass die Lehren aus der Krise nicht vergessen werden. Foto: Kay Nietfeld/dpa
Sieben Monate lang hat Walter Lindner als Ebola-Sonderbeauftragter die deutschen Hilfen koordiniert. Sieben Mal war er in den drei...Foto: Kay Nietfeld/dpa

Als Walter Lindner vor sieben Monaten Ebola-Beauftragter der Bundesregierung geworden ist, „hatten wir eine Apokalypse vor Augen“. Das sagte er am Dienstag, eine Woche vor der geplanten Auflösung der Ebola-Stabsstelle im Auswärtigen Amt. Linder wird zwar noch Ebola-Beauftragter bleiben, bis tatsächlich alle „Lehren aus der Krise“ gezogen sind. Aber der akute Notfall ist zu Ende.

Dass es nicht zu einer Million mit dem tödlichen Tropenfieber infizierter Menschen in Westafrika gekommen ist, ist wohl auch der Hilfsmaschinerie zu verdanken, die nicht nur in Deutschland in Gang kam, als Lindner seinen Posten angetreten hat. Ging es am Anfang darum, Betten zu schaffen, um Ebola-Kranke behandeln und vor allem getrennt von noch Gesunden zu halten, versuchen die drei am stärksten betroffenen Länder – Liberia, Sierra Leone und Guinea – nun die Zahl der Neuinfektionen dauerhaft auf Null zu senken. Liberia hat es  fast geschafft. Sollte bis zum Samstag kein neuer Fall registriert werden, gilt Liberia nach der Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als „ebolafrei“.

In Sierra Leone und vor allem Guinea ist die Zahl der Neuinfektionen pro Woche allerdings bisher immer noch zweistellig gewesen. Die jüngsten Zahlen der WHO weisen aber erstmals für beide Ländern weniger als zehn Neuinfektionen aus. Dennoch tut sich vor allem Guinea offenbar schwer. Dort hat die Epidemie im Dezember 2013 ihren Ausgang genommen. Knapp 11000 Menschen sind seither in Westafrika an Ebola gestorben.

Die Hilfe ist viel zu spät angelaufen

Wäre die internationale Hilfe angelaufen, als die Ärzte ohne Grenzen im Frühjahr 2014 Alarm geschlagen haben, „hätten Tausende Menschenleben gerettet werden können“, sagte Lindner in seiner Bilanz. Das späte Eingreifen zwinge zur „Demut“. Doch als die Maschine dann im Gang war, „lief sie gut“. Die Luftbrücke der Bundeswehr mit zwei uralten Tansall-Transportmaschinen habe die ganze Zeit über   Zelten,   Lastwagen,  Motorräder oder  medizinisches Material transportiert. Lindner lobte die Freiwilligen  in Liberia. Dort hätten sie, obwohl sie für die direkte Ebola-Hilfe kaum  gebraucht wurden, stattdessen andere Infektionskrankheiten wie etwa Malaria behandelt. Das Technische Hilfswerk und Bundeswehrleute hätten im größten Krankenhaus Liberias alle Generatoren repariert.

Lindner ist es wichtig, dass die Erfahrungen der Ebola-Krise nicht vergessen werden. Das Auswärtige Amt hat deshalb eine neue Abteilung  gebildet, in der Krisen frühzeitig erkannt und im Anschluss auch nachbereitet werden sollen.

Nun gehe es darum,  allem aber  die Gesundheitssysteme in den drei westafrikanischen Ländern  wieder aufzubauen und zu verstärken. Das sei der beste Schutz gegen eine Epidemie. Ob dabei die für einige Monate in deutschen Diensten stehenden lokalen Beschäftigen eine Rolle spielen werden, ist noch unklar. Als Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) und Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) vor kurzem in Monrovia zu Besuch waren, haben sie jedenfalls dagegen demonstriert, dass ihre Verträge nun auslaufen.

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