Ebola in Westafrika : In Nigeria stirbt eine weitere Krankenschwester an Ebola

Die WHO warnt Fluggesellschaften vor Panik. In Sierra Leone und in Liberia schaffen es die Mitarbeiter der Gesundheitsdienste nicht mehr, die vielen Toten schnell und sicher zu begraben.

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Kailahun liegt inmitten der am stärksten von Ebola betroffenen Region in Sierra Leone. Das Foto zeigt zwei Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen, die einen verstorbenen auf einer Trage aus einem Behandlungszelt tragen.
Kailahun liegt inmitten der am stärksten von Ebola betroffenen Region in Sierra Leone. Das Foto zeigt zwei Mitarbeiter von Ärzte...Foto: AFP

In Nigeria ist eine weitere Krankenschwester an Ebola gestorben. Es soll sich um eine 25-jährige Frau handeln, berichten nigerianische Medien. Damit sei die Zahl der Ebola-Toten in dem Land auf vier gestiegen, teilte das Gesundheitsministerium am Donnerstag mit. Demnach sind derzeit sechs weitere Menschen im bevölkerungsreichsten Land Afrikas an Ebola erkrankt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) kommt nach eigener Zählung auf zwei weitere mögliche Ebola-Patienten. Insgesamt sind nach WHO-Angaben 1975 Menschen mit dem Ebola-Virus infiziert und bis Mittwoch 1069 Menschen daran gestorben.

Sorge bereitet den nigerianischen Behörden der Fall einer infizierten Krankenschwester, die trotz eines Reiseverbots aus Lagos in die ostnigerianische Stadt Enugu gefahren war. Sie habe keine Krankheitszeichen gezeigt, sagte Gesundheitsminister Onuyecuchi Chukwu vor der Presse in Abuja. Inzwischen sei die Frau wieder in Lagos und mit ihrem Mann - das Paar ist offenbar frisch verheiratet - gemeinsam in Quarantäne genommen worden. Chukwu sprach von sechs Sekundärkontakten der Frau, die nun überwacht werden müssten. Bislang trat der Erreger nur in der Millionenstadt Lagos auf.

Patienten in Quarantäne fühlen sich verlassen

Warum die Krankenschwester aus der Quarantäne ausgerissen ist, haben Angehörige, der Ebola-Kranken in Lagos bei einer Pressekonferenz ausgebreitet. Die nigerianische Tageszeitung "The Punch" berichtet, dass die Ebola-Kranken "komplett verlassen" seien. Niemand kümmere sich um sie. Sie würden nicht behandelt. Sie könnten nur darauf warten, zu sterben. Neben Patrick Sawyer, einem amerikanisch-liberianischen Gesundheitsmanager bei Arcelor-Mittal, der das Virus von Liberia nach Nigeria gebracht hat, sind zwei ihn behandelnde Krankenschwestern und ein mit ihm reisender Mitarbeiter der westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft Ecowas in Lagos gestorben.

Onyuecuchi Chukwu kündigte am Donnerstag an, ein nigerianischer Wissenschaftler in der Diaspora habe ein experimentelles Medikament nach Nigeria geschickt, das nun eingesetzt werden solle. Der Name sei "Nanosilber". Ob es tatsächlich winzige Silberpartikel sind, wie sie in manchen Reinigungsmitteln oder Kleidungsstücken wie Socken bereits zum Einsatz kommen, war am Donnerstag allerdings noch unklar.

USA fordern Angehörige des Botschaftspersonals in Sierra Leone zur Ausreise auf

Derweil forderten die USA die Angehörigen ihres diplomatischen Personals in Freetown, der Hauptstadt von Sierra Leone, zum Verlassen des Landes auf. Die stellvertretende Außenamtssprecherin Marie Harf sprach am Donnerstag von einer Vorsichtsmaßnahme, weil wegen der Ebola-Epidemie auch die übrige Krankenversorgung in Sierra Leone eingeschränkt sei.

Ein US-Arzt, der nach seiner Ansteckung in Liberia zurückgeholt worden war, stand unterdessen offenbar vor der Entlassung aus dem Krankenhaus in Atlanta im US-Bundesstaat Georgia. Dem 33-Jährigen gehe es gut und er hoffe, in naher Zukunft entlassen zu werden, erklärte die christliche Hilfsorganisation Samaritan's Purse, für die der Arzt arbeitet. Auch der zweiten US-Ebola-Patientin, einer 60-jährigen Missionarin, gehe es besser. Beide waren mit dem zuvor nicht an Menschen erprobten Medikament ZMapp behandelt worden.

Liberia diskutiert, wer ZMapp bekommen soll

Am Mittwochabend waren drei Dosen ZMapp in Liberia eingetroffen. Die Regierung hatte darum gebeten, um zwei Ärzte zu behandeln. Wer die dritte Dosis bekommen soll, ist noch unklar. Ein Regierungssprecher sagte, es werde auf jeden Fall ein Arzt oder eine Krankenschwester sein. US-Präsident Barack Obama telefonierte nach Angaben des Weißen Hauses am Donnerstag mit Liberias Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf und dem Staatschef von Sierra Leone, Ernest Bai Koroma. In den Gesprächen sicherte Obama demnach den zwei von der Ebola-Epidemie besonders schlimm betroffenen Staaten weitere Unterstützung zu.

Korean Air will Kenia nicht mehr anfliegen

Korean Air hat am Donnerstag angekündigt, vom 20. August an den Jomo-Kenyatta-Flughafen in Nairobi auf der anderen Seite des Kontinents in Kenia nicht mehr anfliegen zu wollen. Die WHO hatte am Vortag gesagt, wegen der Funktion als wichtiges Drehkreuz für den Reiseverkehr in Afrika, sei für Kenia das Risiko einer Einschleppung des Ebola-Virus relativ groß. In den sozialen Medien beklagen sich viele Kenianer darüber, dass es am Flughafen keine Kontrollen der Körpertemperatur gebe und auch sonst keine erhöhten Kontrollen. Die WHO wies am Donnerstag darauf hin, dass das Risiko einer Ansteckung mit Ebola im Flugverkehr sehr niedrig sei. Zudem beklagten WHO-Mitarbeiter auf dem Kurznachrichtendienst Twitter, dass mehr und mehr Fluggesellschaften ihre Flüge nach Westafrika einstellen. "Wie soll das ärztliche und Pflegepersonal denn dann noch dort hin kommen",. fragte ein WHO-Twitterer.

Patrick Sawyers Witwe nimmt ihren Mann in Schutz

Am Donnerstag meldete sich über Facebook auch die Witwe des Amerikaners mit liberianischen Wurzeln, Patrick Sawyer, zu Wort. Sawyer hatte das Ebola-Virus von Liberia nach Lagos in Nigeria gebracht. Alle Ebola-Ansteckungen in Nigeria gehen auf Sawyer zurück. Decontee Sawyer, eine Radiomoderatorin in New York, schrieb, Patrick Sawyer habe ein tiefes Misstrauen gegen das "ruinierte liberianische Gesundheitswesen" gehabt. Er sei vermutlich nach Nigeria gereist, weil er sich dort eine bessere Versorgung erhofft habe. "Patrick wollte nicht sterben und glaubte, in Nigeria würde sein Leben gerettet werden." Sie machte Liberias Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf bittere Vorwürfe, weil es ihr nicht gelungen sei, das liberianische Gesundheitssystem in einen funktionsfähigen Zustand zu bringen. "Diese Frau hat vor ihrem Land versagt", schrieb sie. (mit Reuters)


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