Eckart von Hirschhausen : Der Glücksdoktor

Komiker Eckart von Hirschhausen glaubt an die heilende Kraft des Lachens. Jetzt gastiert er mit seiner Kabarett-Show in Berlin.

Elisabeth Binder
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Eckart von Hirschhausen ist Gründer der Stiftung "Humor hilft heilen". -Foto: dpa

Der Doktor verordnet gegen trübes Matschwetter Rhabarbertorte und heiße Espresso-Schokolade. Glückliche Momente muss man sich schaffen können. Zum Café Sowohlalsauch im Berliner Szenestadtteil Prenzlauer Berg kommt Dr. med. Eckart von Hirschhausen mit dem Fahrrad angeradelt. Das Dachgeschoss, in dem er seit einiger Zeit wohnt, liegt ganz in der Nähe. Eckart von Hirschhausen ist einer der erfolgreichsten Kabarettisten Deutschlands und die leibhaftige Trostpackung für alle, denen die manchmal im Bunt-TV aufflackernde Proletarisierung des deutschen Humors Bauchschmerzen verursacht. Der studierte Kinderneurologe und frühere Wissenschaftsjournalist, der seine eigentliche Berufung erst nach dem Medizinstudium fand, beweist: Man kann auch auf feinsinnige und positive Art die Menschen zum Lachen bringen. Über sein aktuelles Medizinisches Kabarettprogramm „Glücksbringer“, mit dem er am 13. Dezember in einer seit langem ausverkauften Vorstellung in Berlin gastiert, lachten schon eine halbe Million Menschen. Sein jüngstes Buch, „Die Leber wächst mit ihren Aufgaben“, verkaufte sich bislang rund eine Million Mal. Was er in seinen Programmen predigt, verwirklicht Hirschhausen auch an sich selbst. „Eigentlich ist es ganz einfach“, sagt er. Wer glücklich ist, lebt gesund.

Aufgewachsen ist er in Berlin, aber seine Familie kommt aus dem Baltikum. Weisheit hat die Großmutter in sein komisches Leben gebracht. Im Redaktionsteam von Harald Schmidt hatte von Hirschhausen im vergangenen Jahr seinen medialen Durchbruch. Nebenbei hat er die Zeit richtig genossen: „Es gab keinerlei Vorgaben, außer der, möglichst witzig zu sein.“ Das ist seine leichteste Übung. Ein bisschen stolz ist er allerdings darauf, der einzige Komiker zu sein, der von der Universität Zürich auf seine Effektivität überprüft wurde. Seitdem ist wissenschaftlich bestätigt, dass die komische Arznei, die er verabreicht, wirksam ist. Die Probanden unterzogen sich vor und nach seiner Show einem wissenschaftlichen Stimmungstest. Danach hatten sie tatsächlich bessere Laune.

Glücksforschung ist das Hobby des 41-Jährigen, der während seiner Studienzeit unter anderem in London, San Francisco und Johannesburg gelebt hat. Es sei doch erstaunlich, dass es im Englischen gleich drei Begriffe für Glück gebe. „Luck“ ist das Glück, das einem zufällt, wenn man bei der Tombola ein Auto gewinnt. „Pleasure“ ist das Glück des angenehmen Gefühls, das man beim Genuss eines Schokoladenriegels empfindet und dass sich ins Gegenteil verkehrt, wenn man drei Tafeln hintereinander herunterschlingt. „Happiness“ schließlich ist das Glück, das von innen kommt und so stark nach außen strahlen kann, dass es die Umwelt ansteckt. Absurde Vorstellungen vom Glück und seiner Bedeutung für die menschliche Gesundheit, die auch unter vielen Ärzten vorherrschen, will von Hirschhausen heilen. Als echter Feingeist braucht er natürlich auch Stille, um Funken zu sprühen. Spirituelle Techniken wie Meditation helfen dem Komiker, komisch zu bleiben. Schon als Kind hat er gezaubert, Witzebücher für die Familie verfasst, hat aber auch im Kirchenchor das Weihnachtsoratorium gesungen.

Eckart von Hirschhausen wäre kein Arzt, wenn er sein Motto „Humor hilft heilen“ nicht auch in heilende Hilfe umsetzen würde. Mit dem Berliner Verein „Rote Nasen Deutschland e.V.“, den er mitgegründet hat, versucht er, mithilfe von Clowns das therapeutische Lachen in Kliniken zu etablieren. Überregional hat er nun auch die Stiftung „Humor hilft heilen“ ins Leben gerufen. Die Hälfte der 250 000 Euro, die er bei der Charity Gala „Ein Herz für Kinder“ stiftete, fließen in diese Stiftung. Das Erstaunen über so viel Großherzigkeit kommentiert der Single so: „Vermögen heißt, ich vermag etwas zu bewegen.“ Im Rahmen einer Wohltätigkeitsauktion für die Opfer seltener Krankheiten stiftete er kürzlich ein Glücks-Coaching, das immerhin 650 Euro erbrachte. Er kämpft auch darum, dass Begriffe wie „Lachen“ und „Glück“ Aufnahme in Deutschlands gewichtigstes medizinisches Wörterbuch finden, dem Pschyrembel. Zudem ist er ein Anhänger der Psychoneuroimmunologie, nach der sich seelische Zustände aufs Immunsystem übertragen. Man kann es auch volkstümlicher ausdrücken: „Lachen ist die beste Medizin.“

Risiken und Nebenwirkungen sind nicht ausgeschlossen. In seinem Buch beschreibt er zum Beispiel diese. Einmal forderte ihn eine Frau beim Liebesspiel auf: „Flüstere mir etwas ins Ohr, was noch nie ein Mann einer Frau ins Ohr geflüstert hat!“ Nach einigem Nachdenken hauchte er ihr ins Ohr: „Laserdrucker.“ Das war offensichtlich die falsche Antwort. Im Laufe der Nacht kam er zu dem Schluss, dass man Orgasmus eigentlich mit „h“ schreiben müsse – weil die größte erogene Zone der Frau zwischen ihren Ohren liege.

Im Film, in Romanen spielt meist der Anfang oder das Ende einer Beziehung eine Rolle. Der Frage, warum Leute sich trennen, wird viel mehr Aufmerksamkeit gewidmet als der viel interessanteren Frage, warum Menschen zusammenbleiben. „Mich interessiert vor allem die Mitte einer Beziehung“, sagt von Hirschhausen. Wenn es nach ihm ginge, würden beim Grand Prix nur Lieder zugelassen, die eine stabile Beziehung besingen. Der Doktor, der laut seiner Visitenkarte alle Kassen behandelt, denkt gnadenlos positiv. Das passt zu seinem Motto: „Ein Glück kommt selten allein.“

www.hirschhausen.de

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