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Ecuador und Japan : Hunderte Tote und tausende Verletzte nach schweren Erdbeben

Erst bebt die Erde in Japan, dann in Ecuador: Beide Länder liegen am pazifischen Feuerring. Zehntausende übernachten im Freien oder in Notunterkünften.

Überlebende in den Trümmern in der Stadt Pedernales in Ecuador.
Überlebende in den Trümmern in der Stadt Pedernales in Ecuador.Foto: dpa

Es war Samstagabend, als ein schweres Erdbeben Ecuador erschütterte – es ist wohl das heftigste seit mehr als 30 Jahren. Und die Zahl der Toten steigt weiter an. Präsident Rafael Correa sprach am Sonntag von 272 Menschen, die ums Leben gekommen seien. Mehr als 2060 Personen seien verletzt worden. Das Land sei extrem hart getroffen worden, sagte Correa in einer Fernsehansprache an die 16 Millionen Ecuadorianer. Höchste Priorität habe nun die Suche nach Überlebenden in den Trümmern.

Die Erdstöße der Stärke 7,8 trafen die westliche Provinz Esmeraldas. Die Regierung des südamerikanischen Landes rief danach für mehrere Regionen den Ausnahmezustand aus. Eine durch das Pazifik-Zentrum herausgegebene Tsunamiwarnung wurde später aufgehoben, wie Vizepräsident Jorge Glas bei Twitter schrieb.

Vor allem die Küstenregionen mit ihren Touristen-Stränden - vor allem Pedernales - sowie die Hafenmetropole Guayaquil waren betroffen. Gebäude stürzten ein, Straßen wurden zerstört. Die Behörden riefen die Bewohner der Küstengebiete auf, diese zu verlassen. Viele übernachteten im Freien oder in provisorischen Zeltunterkünften.

Außerdem brachen rund 100 Häftlinge aus einem Gefängnis aus. Dies teilte Ecuadors Justizministerin Ledy Zuñiga via Twitter mit. Drei Dutzend seien nach dem Ausbruch aus einer Anstalt in Portoviejo in der westlichen Provinz Manabí wieder gefasst worden, hieß es.

Der Vizepräsident rechnete damit, dass die Zahl der Todesopfer weiter steigen werde. Demnach waren zahlreiche Menschen in den Trümmern eingestürzter Häuser gefangen. Betroffen war unter anderem die Provinz Manabí. Auch aus Guayaquil, der bevölkerungsreichsten Stadt des Landes, wurden Tote gemeldet. Intensive Rettungsarbeiten dauerten an, sagte Glas. Oberstes Ziel sei, möglichst viele Menschenleben zu retten.

Es war das stärkste Beben in Ecuador seit 1979

Rund 10.000 Soldaten und 3500 Polizisten wurden zum Einsatz in die Erdbebengebiete gesandt, wie Glas bei Twitter weiter schrieb. Zudem waren Helfer aus dem Ausland, vor allem aus Mexiko und Kolumbien, zur Unterstützung der Rettungsarbeiten nach Ecuador unterwegs. Glas zufolge war es das stärkste Beben in dem Land seit 1979.

Staatschef Rafael Correa sprach Opfern und Angehörigen des Unglücks über Twitter sein Mitgefühl aus. Der Präsident befand sich zum Zeitpunkt des Bebens in Europa und trat auf schnellstem Wege die Rückreise an, um vor Ort die Rettungsarbeiten zu koordinieren. Die Erdstöße hätten "schwere Schäden verursacht", twitterte er. In ersten Berichten war von mehr als 100 komplett zerstörten Häusern die Rede. Tausende Gebäude seien beschädigt worden. Nach Angaben von Einsatzkräften wurden zwei wichtige Verbindungsstraßen zwischen Küste und Landesinnerem gesperrt.

Caritas international, das Hilfswerk des Deutschen Caritasverbandes, stellte noch am Sonntag 100.000 Euro für die Soforthilfe bereit. Das Geld stehe unter anderem für die Versorgung der Erdbebenopfer mit Lebensmitteln, Trinkwasser und Notunterkünften zur Verfügung, teilte das Hilfswerk mit. Zugleich rief die Caritas zu Spenden für die Opfer auf.

Immer wieder gibt es in dem Land in Lateinamerika Naturkatastrophen

Ecuador mit seinen rund 15 Millionen Einwohnern gehört zu den Ländern in Lateinamerika, die am anfälligsten für Naturkatastrophen sind. Die Anfälligkeit resultiert insbesondere aus geologischen Risiken wie Erdbeben, Tsunamis und Vulkanausbrüche sowie klimatischen Risiken wie Überschwemmungen, Erdrutschen und Dürreperioden.

Ecuador liegt geografisch am am sogenannten Pazifischen Feuerring, einem Gürtel aus etwa 450 aktiven Vulkanen. Er ist etwa 40.000 Kilometer lang und wie ein Hufeisen geformt. Dort treffen verschiedene Platten der Erdkruste aufeinander. Es kommt zu tektonischen Verschiebungen und Verwerfungen, die Vulkanausbrüche, Erdbeben und Tsunamis zur Folge haben. Das Halbrund aus "Feuerbergen" reicht von den Küsten Süd- und Nordamerikas bis zu einer Reihe von Inselketten im asiatisch-pazifischen Raum.

Der pazifische Feuerring
Der pazifische FeuerringFoto: Ulla Schilli/Tsp

Ursache des Bebens ist die Begegnung zweier tektonischer Platten, der Nazca- und der Südamerikanischen Platte. Die Nazca-Platte schiebt sich ostwärts mit einer Geschwindigkeit von 68 Millimeter pro Jahr unter den südamerikanischen Kontinent. Bei diesem Prozess verhaken sich die beiden Platten. Die dabei aufgebaute Spannung entlädt sich schlagartig, und es kommt zu einem Erdbeben.

Schwere Beben auch in Japan

Auch die Beben in Japan in den vergangenen Tagen ereignete sich am "pazifischen Feuerring". Nach einem leichteren Beben am Donnerstag im Südwesten Japans kamen neun Menschen ums Leben. Das Hauptbeben mit der Stärke 7,3 ereignete sich dann in der Nacht von Freitag auf Samstag auf der Insel Kyushu im Südwesten Japans. Mindestens 32 Menschen wurden in den Tod gerissen, rund 1000 Menschen erlitten teils schwere Verletzungen.

Noch in der Nacht suchen die Bewohner von Manta in den Trümmern nach Überlebenden.
Noch in der Nacht suchen die Bewohner von Manta in den Trümmern nach Überlebenden.Foto: REUTERS

Rettungstrupps aus Tausenden von Soldaten, Polizisten und Feuerwehrmännern setzten am Sonntag ihre Suche nach Vermissten in den Trümmern Hunderter Häuser und abgerutschten Erdmassen fort. Heftige Regenfälle und Hunderte Nachbeben erschwerten die Arbeit. Fast 200.000 Menschen in den betroffenen Provinzen Kumamoto und Oita harren in Notunterkünften aus. Die Gebäudeschäden sind teilweise so enorm, dass Konzerne wie Toyota und Sony Produktionsstopps ankündigten. Die Atomreaktoren in der Region blieben nach Betreiberangaben aber unversehrt. Bei dem großen Beben im März 2011, bei dem 18.500 Menschen ums Leben kamen, war es in Folge eines Tsunamis im Atomkraftwerk Fukushima zu Kernschmelzen gekommen. (dpa, KNA, Reuters)

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