Ehebruch : Tiger im Büßerhemd

Mit einer öffentlichen Reue-Erklärung hat Golfstar Tiger Woods sein monatelanges Schweigen gebrochen und sich für seine außerehelichen Affären entschuldigt.

Rita Neubauer
Woods
Tiger Woods und Elin Nordegren -Foto: AFP

San FranciscoDunkler Anzug, offenes Hemd, Reue in der Stimme: Fast drei Monate, nachdem seine außerehelichen Affären ans Licht kamen, bat Tiger Woods am Freitag seine Frau, seine Familie, Freunde, Fans, Golf-Kollegen und seine Geschäftspartner erneut um Vergebung. „Ich weiß, ich habe euch alle enttäuscht“, lautete sein Statement im Clubhaus des Tournament Player Club of Sawgrass in Ponte Vedra Beach (Kalifornien). Er schäme sich und habe „eine Menge Wiedergutmachung zu leisten“, erklärte der Golfprofi vor einer handverlesenen Gruppe von Familienmitgliedern, Freunden und Journalisten.

„Ich habe gedacht, die normalen Regeln gelten nicht für mich“, begründete Woods sein Handeln. „Ich war dumm und eigensüchtig“. Ausgelöst wurde dieser durch die außerehelichen Affären, die nach dem Autounfall am 27. November ans Licht kamen und Woods sorgsam gehütetetes Image des Mister Saubermanns zerstörten.

Woods sprach knappe 15 Minuten, wobei er nicht nur um Vergebung bat, sondern auch darum, dass es „nie häusliche Gewalt in unserer Ehe“ gegeben habe. „Elin (seine Frau) hat mich nie geschlagen.“ Nach ersten Gerüchten soll die wütende Gattin ihn angeblich mit einem Golfschläger attackiert haben, worauf er in seinem Geländewagen floh und gegen einen Baum und Feuerhydranten krachte. Gleichzeitig kündigte Woods an, dass er seine Therapie fortsetzen werde. Er werde zur PGA-Golftour zurückkehren, wisse aber noch nicht wann. Nach seinem Auftritt umarmte der sichtlich zerknirschte Woods seine Mutter und mehrere Familienmitglieder und Freunde – und verschwand erneut von der Bildfläche.

Das Getümmel vor dem Clubhaus des Tournament Player Club of Sawgrass begann schon im Morgengrauen. 300 Journalisten aus der ganzen Welt komplettierten den Medien-Zirkus. Alle waren gespannt, was Woods über seine Seitensprünge zu sagen hatte. Mehr als ein Dutzend Frauen waren in den Wochen nach dem Unfall an die Öffentlichkeit getreten und entlarvten die falsche Fassade des Golfstars.

Woods ging damals sofort auf Tauchstation. Sein einziges Zugeständnis: in drei dürren Mitteilungen entschuldigte er sich auf seiner Webseite für die Verfehlungen. Woods, der als Kontroll-Freak gilt, hatte die Kontrolle über sein Leben verloren. Am Freitag jedoch verteidigte er erneut sein Recht auf Schutz seiner Privatsphäre und schimpfte gegen Journalisten, die seine Tochter bis zur Schule verfolgt hätten. Schon Tage zuvor begann die selbstinszenierte Comeback-Tour mit gestreuten Fotos, die den tief gefallenen Golfer wieder als aufrechten Sportler zeigen. Woods beim Jogging, Woods mit grauem Pullover seines Sponsors Nike und weißer Tiger Woods-Kappe unter strahlendem Sonnenschein: Die Image-Kampagne läuft auf Volldampf.

Ob dies zu einer Rehabilitierung reicht? „Die Leute wollen Tiger vergeben,“ sagt Peter Morrissey, Professor für Public Relations an der Boston University – „doch Vergebung braucht seine Zeit.“ Und: „Tiger muss erst einmal beweisen, dass er es wirklich ernst meint.“

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