Ehedrama : ICE-Notstopp: Die Spur führt ins Bordell

Der Selbstmörder am ICE-Tunnel und die tote Frau am See – sie waren ein Ehepaar. Die Frau soll ohne Wissen des Mannes als Hure gearbeitet haben.

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Polizisten bargen die Frauenleiche am Ufer eines Badesees bei Würzburg.
Polizisten bargen die Frauenleiche am Ufer eines Badesees bei Würzburg.Foto: dpa

Das ganze Drama hat möglicherweise seinen Ausgang im Rotlichtmilieu. Am Montagvormittag, so kann man in einem Bordell in Würzburg erfahren, stand die Polizei an der Tür. Ob man die vermisste Lilija K. kenne?

Man kannte sie hier im Haus. Sie habe sich sporadisch eingemietet. Und im Laufe des Tages wurde den Leuten in der Randersackerer Straße 64 auch klar, warum wohl die Beamten das wissen wollten. Die verteilten Leichenteile, die in dem nördlich von Würzburg gelegenen kleinen Erlabrunner Badesee entdeckt worden waren, sind offenbar die Überreste von Lilija K.. Nach dem Besuch der Polizei sind sie sich hier im Haus sicher.

Bei der Frau aus dem Badesee handelt es sich nach Angaben der Polizei um eine 29-Jährige aus dem Landkreis Würzburg. Die Identität sei geklärt. Und der Selbstmörder, der sich am Montag vor einen ICE im Bahn-Tunnel bei Margetshöchheim warf, wenige Kilometer von dem Badesee entfernt, war der 30-jährige Ehemann der Frau. Seine Frau hatte er am Sonntagabend als vermisst gemeldet. Ob er auch der Mörder seiner Frau war? Noch weiß die Polizei das nicht. Und mehr will man im Würzburger Polizeipräsidium derzeit auch gar nicht preisgeben.

Mit einem Ersatzzug wurden die Passagiere aus dem Tunnel geholt. Foto: dpa
Mit einem Ersatzzug wurden die Passagiere aus dem Tunnel geholt. Foto: dpaFoto: dpa

Lilija K. aus dem kleinen Ort Hettstadt westlich von Würzburg war verzweifelt. So erzählt ein Eingeweihter im Bordell Randersackerer Straße. Noch vor wenigen Monaten sei sie angekommen und habe unter Tränen berichtet, wie zerrüttet ihre Ehe sei.

Der erste Bürgermeister der Gemeinde Hettstadt, wo die beiden Toten herkommen, zeigte sich am Dienstag erschüttert über die Vorgänge in seinem Ort und spricht über die delikate Arbeit von Lilija K. Was im Haus in Würzburg dann noch erzählt wird, klingt wie ein böser Krimi.

Lilija K., so könnte es im Skript dieses Krimis stehen, sei eine von einer ganzen Reihe Frauen gewesen, die im Zuge einer Steuerermittlung unter Druck gesetzt worden seien. „Erheblicher Druck wurde auf die Frauen ausgeübt“, sagt Rechtsanwalt Joachim Bremer aus Frankfurt. Er hat den Besitzer des Bordells in dem Verfahren wegen Steuerhinterziehung vor dem Landgericht Würzburg vertreten. Ein Beamter der Kriminalpolizei Würzburg habe im Zuge der Ermittlungen die Frauen befragt, um die Umsätze des Rotlichtbarons und seiner Geschäftspartner zu erfahren. Dabei, so erzählt es heute Rechtsanwalt Bremer, habe der Beamte den Frauen Hinweise darauf gegeben, dass sich die Familien der Frauen ja vielleicht für deren Nebenverdienst interessieren könnten. Sogar die Tochter einer der Frauen sei auf dem Handy angerufen worden. So zumindest habe es eine von ihm, Bremer, beauftragte Detektei protokolliert. Im Verfahren, das vor zwei Jahren zu Ende ging, wie die Staatsanwaltschaft Würzburg bestätigt, sollten die Aussagen der Frauen die Höhe der Steuerhinterziehung belegen, sagt Rechtsanwalt Bremer. Dagegen habe man von Seiten der Verteidigung ins Feld geführt, auf welche Weise viele dieser Aussagen zustande gekommen seinen. Ihr habe man gedroht, den Ehemann in Kenntnis über ihre Rotlicht-Arbeit zu setzen, hat Lilija K. im Bordell in Würzburg erzählt. Ja, ihr Mann sei in Kenntnis gesetzt worden. Diese Geschichte könnte Hintergrund der angenommenen Beziehungstat sein. Denn mittlerweile sieht es so aus, als habe der Mann – vom früheren Etablissement Lilija Ks. heißt es, er sei Bundeswehroffizier im Auslandseinsatz gewesen – seine Ehefrau irgendwann zwischen Freitag und Sonntag getötet, zerstückelt und in den Badesee des Weindorfes Erlabrunn geworfen. Als dann die Leiche gefunden worden war, warf sich der Mann vor den ICE.

Am Sonntag hatte ein Angler an dem Weiher Leichenteile entdeckt und die Polizei alarmiert. Nach den ersten Leichenfunden schickte die Polizei dann am Montag Taucher der Bereitschaftspolizei und Leichensuchhunde in und an den See. Die Obduktion ergab am Dienstag, dass die Frau erstochen wurde. Zur Aufklärung des Verbrechens hat die Kriminalpoliziei Würzburg eine Sonderkommission mit etwa 30 Beamten eingesetzt. Mittlerweile schließen die Ermittler nicht mehr aus, dass die Leichenteile bereits seit Freitag im Erlabrunner Badesee lagen. Zeugen hätten Aussagen gemacht, die darauf hinwiesen.

Das Bordell sammelt jetzt für den Sohn des Paares Spenden.

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