Ehepaar Sarkozy : Carla nimmt den Mund zu voll

Entrüstung über das Ehepaar Bruni/Sarkozy: Die Präsidentengattin hatte sich über einen Artikel aufgeregt, der eine entblößende SMS von Sarkozys Handy preisgab. Der Vergleich mit französischen Juden schlug ein wie eine Bombe. Die anschließende Klage gegen den Journalisten könnte die Pressefreiheit in Frage stellen.

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Es hört nicht auf: Nikolas Sarkozy und Carla Bruni bieten immer neuen Gesprächsstoff. -Foto: AFP

ParisFrankreichs Präsident Nicolas Sarkozy und seine Gattin Carla Bruni-Sarkozy haben mit einer Klage gegen einen Journalisten sowie einem Vergleich mit der Nazi-Zeit für Wirbel gesorgt. Das Magazin "Nouvel Observateur" stellte sich am Donnerstag mit deutlichen Worten hinter seinen Reporter. Dieser hatte auf nouvelobs.com berichtet, Sarkozy habe kurz vor der Hochzeit mit Carla seiner Ex-Frau Cécilia die SMS geschickt: "Wenn Du zurückkommst, sage ich alles ab!". Bruni-Sarkozy hatte in ihrem ersten Interview als First Lady die Berichterstattung über die angebliche SMS mit der Denunzierung von Juden in Frankreich im Zweiten Weltkrieg verglichen.

Freier Fall für Sarkozy

Sarkozy hat gegen die Website nouvelobs.com, auf der der SMS-Bericht erschienen war, Anzeige erstattet. Dem Journalisten drohen im Fall einer Verurteilung bis zu drei Jahren Haft. Obwohl ein Großteil des Medienbranche diese Berichterstattung "moralisch" verurteile, sei sie geschlossen gegen eine strafrechtliche Verfolgung, schrieb das konservative Magazin "Le Point". Für die meisten Beobachter sei der Staatschef in den Teich gefallen, in dem er durch das Zurschaustellen seines Privatlebens zuvor selbst gefischt habe. Sarkozy ist nach zahlreichen Fotoserien über Luxusreisen mit der Sängerin in die Kritik geraten, er inszeniere sein Privatleben. In Meinungsumfragen befindet er sich im freien Fall.

Nichts erfunden oder manipuliert

Auch der "Nouvel Observateur" räumt ein, es sei ein "Fehler" gewesen, die SMS aus dem Privatleben zu veröffentlichen. Der
Präsident klage jedoch nicht wegen Verletzung der Privatsphäre, sondern wegen "Fälschung", schrieb das Magazin. "Ein brutales und nie dagewesenes Vorgehen unter ungleichen Vorzeichen, da der Präsident als Nebenkläger strafrechtliche Immunität genießt und zudem über Einfluss auf die Ermittler verfügt." Der gestandene Journalist habe "nichts erfunden oder manipuliert und keinen Handel betrieben". Sarkozys "Strategie der Sanktion" laufe Gefahr, wie eine "Schlacht gegen die Presse" zu wirken, schrieb der Herausgeber Jean Daniel. "Ich bin bereit, diese Schlacht gegen den Präsidenten mit unserem Magazin und der gesamten Presse zu schlagen."

Entschuldigung für den Fauxpas

Bruni-Sarkozy hatte den "Nouvel Observateur" mit der "Kollaborationspresse" in Frankreich zur Zeit der deutschen Besatzung
verglichen. "Wenn es solche Seiten schon während des Krieges gegeben hätte, was wäre dann erst aus den Denunzierungen der Juden geworden?". Später hatte sich dafür entschuldigt. Sie habe den Vergleich "zu Unrecht" gezogen. "Wenn ich jemanden verletzt habe, tut es mir sehr leid." Der "Observateur"-Chefredakteur Michel Labro sprach von einem "pathetischen und vollkommen schwachsinnigen" Vergleich. (liv/dpa)

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