Ehevertrag : Scheidung auf Englisch

Die deutsche Multimillionärs-Erbin Katrin Radmacher hat vor dem höchsten englischen Gericht in London ein wegweisendes Urteil im Scheidungsrecht erstritten.

Erleichtert. Die deutsche Millionenerbin Katrin Radmacher.
Erleichtert. Die deutsche Millionenerbin Katrin Radmacher.Foto: Reuters

London - Radmachers deutscher Ehevertrag mit ihrem französischen Ex-Mann ist nach einem vierjährigen Gerichtsmarathon in England anerkannt worden. In dem Vertrag hatten sich die Ehepartner zugesichert, im Falle der Scheidung nicht gegenseitig auf ihr Vermögen zuzugreifen. Der Ehemann ging gegen den Vertrag später gerichtlich vor, weil er ihn für ungerecht hielt. Eheverträge waren in England bisher nicht automatisch bindend. Bei Anwälten auf der Insel liegen zehntausende Scheidungsfälle, die nun anders als bisher angenommen ausgehen könnten. Der Supreme Court urteilte am Mittwoch, ein Ehevertrag sei „entscheidend“.

Radmacher hatte ihren französischen Ehemann in London kennengelernt, wo sie eine Boutique betrieb und er als Investmentbanker arbeitete. Die Familie Radmacher gehört zu den Gründerfamilien des Macherey-Nagel-Konzerns (Düren, Nordrhein-Westfalen).

Der Ehemann wird auch in Zukunft komfortabel leben – obwohl er inzwischen nicht mehr als Investmentbanker, sondern nur noch als Biotechnologie-Forscher an der Universität Oxford arbeitet. Er kann ein 2,5-Millionen-Pfund teures Anwesen in Deutschland für 15 Jahre mietfrei nutzen, sagte Radmachers-Anwalt vor Gericht. Außerdem kann er bis zum 22. Lebensjahr seiner heute sieben und acht Jahre alten Kinder ein Ferienhaus in Südfrankreich nutzen, um dort mit den Kindern Urlaub zu machen. Zudem wird ihm ein Einkommen von jährlich 76 000 Pfund für die nächsten 15 Jahre gezahlt. Obwohl er nicht das Hauptsorgerecht für die Kinder hat, bekommt er noch 70 000 Pfund jährlich für den Nachwuchs. Die Frau muss ihm ferner noch ein Auto für 25 000 Pfund kaufen und seine Schulden übernehmen. dpa

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