"Ehrenmord-Prozess" : Eltern des Opfers verweigern Aussage

Im Prozess um die auf offener Straße erschossene Deutsch-Türkin Hatin Sürücü hat deren Familie vor dem Berliner Landgericht die Aussage verweigert. Angeklagt sind drei Brüder des Opfers.

Berlin - Im Berliner Prozess um den «Ehrenmord» an der Deutsch-Türkin Hatin Sürücü haben die Eltern des Opfers am Montag die Aussage verweigert. Sie machten vor dem Berliner Landgericht von ihrem Recht der Zeugnisverweigerung Gebrauch. Drei ihrer Söhne sitzen auf der Anklagebank. Damit steht den Eltern wegen des engen Verwandtschaftsverhältnisses diese Möglichkeit zu. Die Männer im Alter von 19, 25 und 26 Jahren sind wegen «Mordes aus Heimtücke und niederen Beweggründen» angeklagt.

Die türkischstämmigen Männer sollen laut Anklage den westlichen Lebensstil ihrer Schwester als Kränkung der Familienehre empfunden haben. Hatin Sürücü wurde am 7. Februar unweit ihrer Wohnung in Berlin-Tempelhof mit drei Pistolenschüssen niedergestreckt. Sie hinterließ einen kleinen Sohn. Der jüngste Angeklagte hatte mit seinem Geständnis zum Prozessauftakt die Tat allein auf sich genommen und gesagt, seine Brüder hätten nichts mit der Tat zu tun. Der Fall hatte bundesweit Aufsehen erregt und eine Debatte über Zwangsehen und «Parallelwelten» von Ausländern in Deutschland ausgelöst.

Der 64-jährige Vater des Opfers und der Angeklagten wandte sich beim Hinausgehen aus dem Gerichtssaal hektisch in Richtung seiner Söhne, die hinter Sicherheitsglas saßen, und redete aufgebracht mit erhobenem Arm auf türkisch. Auf dem Gerichtsflur sagte er, die angeklagten Söhne seien ebenso seine Kinder wie das Kind im Grab.

Die Mutter konnte vor Gericht ihr genaues Geburtsdatum nicht angeben. Sie sei 1951 geboren, sagte die Frau mit dem Kopftuch auf türkisch. Ihre Angaben zur Person wurden von einem Dolmetscher übersetzt. Sie winkte ihren Söhnen verstohlen zu. Auch die 22-jährige Schwester des Opfers, die als Nebenklägerin in dem Prozess auftritt, wollte sich am Montag als Zeugin nicht äußern. Vorgeladen war außerdem noch eine jüngere Schwester des Opfers, die ebenfalls die Aussage verweigerte. (tso/dpa)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben