Ehrenmord-Prozess : Vater gesteht Mord an Tochter

Im Bonner Ehrenmord-Prozess hat der angeklagte Vater überraschend gestanden, vor 14 Jahren seine damals 17-jährige Tochter getötet zu haben. Die ältere Schwester des Opfers hatte den Vater angezeigt.

Bonn Er habe den Mord an seiner 17-jährigen Tochter im Affekt begangen, erklärte der Vater vor dem Gericht in Bonn. Laut Anklage war der Tod als gemeinschaftlicher Mord geplant gewesen. Das Geständnis des aus Syrien stammenden 65-jährigen Angeklagten erfolgte nach vier Prozessmonaten und 19 Verhandlungstagen. Die ältere Schwester der Getöteten hatte 14 Jahre nach dem Verbrechen das Schweigen gebrochen und den Vater angezeigt.

Nach den Schilderungen des Mannes ist seine Tochter, die immer schon ein Problemkind gewesen sei, in der Tatnacht - Ende August 1993 - gegen 4 Uhr betrunken nach Hause gekommen. Als er ihr die "unehrenhafte Lebensweise" vorgehalten habe, habe seine Tochter ihm provokant erwidert, dass ihn das nichts anginge. Sie gehe auch freiwillig der Prostitution nach und wenn jemand viel Geld zahle, sei "das doch super". Durch diese Äußerung sei er wütend geworden und habe angefangen, seine Tochter zu würgen bis "kein Leben mehr in ihr war". Anschließend habe er gemeinsam mit zwei Neffen die Leiche in den Westerwald gefahren und sie dort vergraben.

Die heute 35-jährige Zeugin hatte ihre tote Schwester noch gesehen. Der Vater habe ihr damals gedroht, dass ihr dasselbe passiere, wenn sie etwas nach außen verrate. Seit über zehn Jahren lebt die Zeugin auf der Flucht aus Todesangst vor der eigenen Familie. Ihre Zeugenaussage im Bonner Prozess hatte sie über eine Videoschaltkonferenz gemacht. Die Anklage wirft dem Vater und einem der beiden Neffen gemeinschaftlichen Mord vor. (küs/dpa)

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