Ehrenmordprozess : Verurteilter Türke wird abgeschoben

Im April 2005 wurde ein Türke zu einer Jugendstrafe verurteilt, weil er den Geliebten seiner Schwester umgebracht hat. Nach der "Wiederherstellung der Familienehre" drohte ihm die Ausweisung, jetzt ist entschieden: Der 22-Jährige wird abgeschoben.

StuttgartEin wegen Ehrenmordes verurteilter Türke wird nach Verbüßung seiner Haftstrafe aus Deutschland abgeschoben. Das entschied das Verwaltungsgericht Stuttgart am Dienstag und wies damit die Klage des Türken gegen die Ausweisung ab. Das Gericht schloss sich damit der Entscheidung des Regierungspräsidiums Stuttgart an, das bei dem Mann Wiederholungsgefahr sieht. In der Türkei habe er keine Nachteile, da er die Sprache beherrsche und mit der Kultur verbunden sei.

Der 1985 geborene Türke war im April 2005 vom Landgericht Stuttgart wegen der Ermordung des Geliebten seiner Schwester zu einer Jugendstrafe von neun Jahren verurteilt worden. Nach den Feststellungen der Richter hatte er den Liebhaber aus Wut, verletztem Stolz und "zur Wiederherstellung der Familienehre" im Oktober 2004 mit 40 Messerstichen umgebracht. Als damals 18-Jähriger soll er die Rolle eines Familienoberhauptes nach dem frühen Tod seines Vaters innegehabt haben. Seine Schwester hatte sich von ihrem Mann getrennt, war aber noch nicht geschieden.

Der Kläger, der derzeit noch in Haft sitzt, hatte gegen die drohende Ausweisung geltend gemacht, dass bei ihm keine konkrete Wiederholungsgefahr vorliege, wie sie nach europäischer Rechtsprechung für eine Ausweisung vorhanden sein müsse. Er verwies zudem auf schutzwürdige Bindungen zu seiner Mutter und zu seinen Geschwistern, die im Bundesgebiet leben.  (pb/ddp)

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