Welt : Ein Berg von Schnee

In den Skigebieten Bayerns und Österreichs steigt die Stimmung. Es schneit – endlich

Markus Huber[Wien]

Und wieder einmal lag es an Gernot Friedle alias DJ Ötzi, in Österreichs Alpenregion für den ersten Kracher der Winter-Saison zu sorgen – obwohl er diesmal weniger melodisch war als sein Vorjahres-Schmusesong „Hey Baby" und weniger programmatisch als sein Erstling „Anton aus Tirol". Gekracht hat es aber trotzdem – am Montag frühmorgens, irgendwo auf der Inntalautobahn zwischen Innsbruck und Kufstein. Auf schneenasser Fahrbahn knallte Friedle mit seinem Audi auf ein vor ihn fahrendes Fahrzeug, das ins Schleudern geraten war. Der Barde wurde ins Krankenhaus eingeliefert und trägt seitdem eine Halskrause.

Welche Programmatik von diesem Unfall ausgeht: Ausgerechnet Ötzi, der ungekrönte Kaiser aller Skihütten zwischen Ischgl und Neuss, hatte einen Verkehrsunfall, der durch dichtes Schneetreiben ausgelöst wurde. Das Bild des Halskrausenträgers wird durch die Medien gehen und damit vor allem eine Botschaft verkünden: In Österreich hat der Winter begonnen, es gibt Schnee, sehr viel Schnee sogar.

Ob Österreichs Hoteliers dem Sänger einen Dankesbrief geschickt haben, ist nicht bekannt, aber das Aufatmen über die über Ötzi und die Alpenrepublik am Montag hereinbrechenden Schneemassen war auch in Wien noch zu vernehmen. Seit Montag liegt über den für den Tourismus wichtigen Regionen im Westen und Süden des Landes eine mehrere Zentimeter dicke Schneedecke, in den großen Skigebieten am Arlberg, in Tirol, Salzburg und Kärntnen werben die Tourismus-Manager für Abfahrten bis ins Tal – wobei das keine große Überraschung ist, denn mittlerweile hat jedes Skigebiet Kunstschneeanlagen, die die langen Abfahrten auch bei frühlingshaften Temperaturen garantieren. Aber schließlich fährt das Auge ja mit, und wer einmal zwischen blühenden Blumenwiesen gewedelt hat, weiß, dass das nicht einmal der halbe Spaß ist. In den Weihnachtsfeiertagen wird aber niemand diese Schmach erdulden müssen, sagen die Meteologen in Wien. Dem Vernehmen nach soll es kalt bleiben, und dadurch bleibt die Schneedecke mindestens bis zum 24. Dezember so, wie sie derzeit ist.

Die Touristen können also kommen, und das ist für die österreichische Wirtschaft auch immens wichtig. Neben dem Städtetourismus in Wien ist der Wintersport immer noch eine der Hauptdevisenbringer im Land, mit dem das Sommergeschäft nicht konkurrieren kann. Die schlechten Schneeverhältnisse in den vergangenen Jahren haben deswegen bereits zu einem Umdenken geführt. Vor allem in den Sportgebieten in Tirol und Salzburg haben die Hoteliers in den vergangenen Jahren enorm viel investiert, um ihre Häuser auch für schneearme Zeiten vorzubereiten. Nachdem vielerorts mit Rücksicht auf den Naturschutz keine neuen Lifte und Pisten mehr gebaut werden dürfen, wird deswegen vermehrt auf Komfort in den Hotels gesetzt. Nur noch wenige Vierstern-Ressorts haben keinen eigenen Wellness-Bereich.

Wegen der Terrorangst in Europa, die die Fernreiselust immer mehr sinken lässt, war das keine schlechte Strategie – und so konnte die österreichische Fremdenverkehrswirtschaft schon Anfang Dezember jubeln, zu einem Zeitpunkt, als es noch gar keinen Schnee gab. Schon damals waren die Häuser gut ausgebucht, der Wirtschaftsminister Martin Bartenstein (ÖVP) prognostizierte ein 1,5 prozentiges Nächtigungsplus für die Saison und einen Umsatzzuwachs von bis zu vier Prozent.

Trotz des Umdenkens der Fremdenverkehrswirtschaft gibt es aber eines nach wie vor: Die Skihütten, der eigentliche Grund für viele, überhaupt erst auf Winterurlaub zu fahren. Auch die Hüttenwirte erwarten sich ein Umsatzplus in dieser Saison. Und dafür wird vor allem einer sorgen: DJ Ötzi – egal ob mit oder ohne Halskrause.

Von Jörg Schallenberg, München

„Was, bei Ihnen schneit es in München? Ha, da müssten Sie erstmal hierher kommen!“ So klingt ein glücklicher Kurdirektor. Klaus Furtmeier aus Garmisch-Partenkirchen hustet zwar leicht erkältet ins Telefon, aber das nimmt er gerne in Kauf, wenn er sieht, „dass schon hier unten im Ort 30 Zentimeter Schnee liegen“ und das Thermometer nachts unter drei Grad minus sinkt – denn dann ist es kalt genug, um die Pisten auch mit Kunstschnee beschneien zu können.

Doch am Dienstag schneite es im südlichen Bayern ohnehin den ganzen Tag. Das bedeutet frohe Kunde für alle Skifahrer: Am Wochenende werden alle Skigebiete rund um Garmisch eröffnet werden, ganz oben auf der Zugspitze konnte man ohnehin schon seit Ende Oktober auf die Piste gehen. Dort liegen im Moment zwei Meter Schnee. Weiter unten ist man im Vergleich zu anderen Jahren spät dran, sagt Kurdirektor Furtmeier: „Mei, dass die Saison in den unteren Lagen Anfang Dezember beginnt, ist bei uns eigentlich normal, da sind wir jetzt zwei Wochen hinten dran, aber das sind Schwankungen, die wir immer wieder haben.“ Tatsächlich hatte man in den Fremdenverkehrsämtern rund um die Alpen in den vergangenen Wochen eher missmutig gen Himmel geblickt. Angesichts ausbleibender Schneefälle und viel zu milder Temperaturen fielen etwa in Kärnten werbeträchtige Gratis-Skitage zur geplanten Saisoneröffnung ins Wasser. Und dass Klaus Töpfer, Chef des UN-Umweltprogramms, kürzlich verkündete, die Klimaerwärmung könnte zahlreichen Skiorten dauerhaft den Schnee rauben, dürfte in Lenggries oder Kitzbühel die Verdrossenheit bestärkt haben.

Doch nun überdecken die aktuellen Wetterprognosen die langfristig düsteren Zukunftsaussichten erst einmal. Selbst wenn der starke Schneefall in den kommenden Tagen nachlässt, bleibt es allen Voraussagen nach wohl kalt genug, um die Pisten notfalls künstlich weiß zu halten. Der ADAC wird seinen offiziellen Schneebericht zwar erst in einigen Tagen veröffentlichen, doch in der Münchner Zentrale geht man inoffiziell davon aus, dass alle wichtigen Skigebiete in Bayern am Wochenende geöffnet sein werden.

In manchen Orten wie Mittenwald sind einzelne Lifte schon in Betrieb. Wie eine Sprecherin des Fremdenverkehrsamtes sagte, will man bis Donnerstag alle Pisten und Loipen für Skifahrer präpariert haben. Im Berchtesgadener Land und in Oberau machen die Bergbahnen erst kurz vor Weihnachten auf. „Heute schneit es gerade erst den ersten Tag durch“, sagt eine Mitarbeiterin des Fremdenverkehrsvereins, „das reicht noch nicht.“ Und in Lenggries will sich Klaus Knirk, der Leiter des Verkehrsamtes, noch gar nicht festlegen: „Wenn es mal 20 Zentimeter Schnee gibt, dann geht es los, wir hoffen, dass das schon am kommenden Wochenende sein wird.“

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