Welt : "Ein bißchen spinnert, aber liebenswert"

Bergbauer Daniel Wismer lebt in der Schweiz nach asiatischer Manier EMBD (dpa).Tibetische Gebetsfahnen flattern im Wind, ein tibetischer Hirtenhund schlägt an, der Sherpa schaut nach den Besuchern, doch die Yaks am steilen Berghang verziehen keine Miene.Bergidylle im Hochland Asiens? Mitnichten.Der beschauliche Ort oberhalb des Dörfchens Embd liegt mitten in den Schweizer Alpen, am Hang des Mattertals im Kanton Wallis. Hier hat sich der Schweizer Bergbauer Daniel Wismer auf 1 600 Metern nach siebenjähriger Suche niedergelassen.Er kaufte ein 200 Jahre altes Bauernhaus samt sechs Hektar Land und besorgte sich 26 Yaks, überwiegend aus deutschen Zoos.Seine Leidenschaft für alles Tibetische entdeckte Wismer auf einer Reise in das Hochland.Im vergangenen Leben sei er wahrscheinlich selbst ein Tibeter gewesen, meint er. "Yaks sind ideale Bewohner der Schweizer Bergwelt", sagt Wismer.Die asiatischen Hochlandrinder grasen an den unwirtlichsten Hängen, ernähren sich praktisch das ganze Jahr von Moosen und abgestorbenen Pflanzen.Nur wenn der Schnee allzu hoch liegt, gibt es Heu.Die Yaks brauchen keine klimatisierten Ställe und kein Kraftfutter."Natürliche Landwirtschaft" nennt Wismer das.Wenn die Kollegen sein Konzept verstünden, könnten schon in 20 Jahren mehr Yaks als Kühe in den Schweizer Bergen leben. "Ein alternativer Bauer in Embd?", die alte Frau im Dorf schüttelt den Kopf.Den gibt es hier nicht.Ach so, da oben auf dem Berg, nein, das sei ein Fremder, der sich dort niedergelassen habe."Ein bißchen spinnert, mit Bart und so, und mit den sonderbaren Tieren, aber sehr nett und liebenswürdig, wenn er mal runter kommt", erzählt sie schließlich.Der Fremde, dessen Bart längst ab ist, kommt aus Zug, rund 180 Kilometer entfernt, aber in dieser Gegend ist das fast so weit wie Tibet. Das Dörfchen Embd ist klein und fein.355 Einwohner, eine kleine Seilbahn und viele steile Hänge.Es heißt, Embd sei mit einem Höhenunterschied im gesamten Gemeindegebiet von 2 350 Metern das steilste Dorf der Schweiz."Der Embder liebt seinen Berg, ist arbeitsam, kontaktfreudig, verfügt über einen starken Gemeinschaftssinn", rühmt eine Broschüre.Das erinnert an längst vergangene Zeiten, denn viele Embder haben die Berge längst verlassen.Zu mühsam ist das Beackern dieser steilen Hänge. Die 250 Höhenmeter zwischen Embd und Wismers Grundstück zu überwinden, ist eine kleine Herausforderung: eine Dreiviertelstunde dauert der Aufstieg.Über den steilen Pfad muß alles Nötige geschleppt werden.Dafür ist die Idylle oben fast perfekt: keine Straßen, keine Autos und der weite Blick hinunter in das Tal oder hinüber zu den Dreitausendern.Auf der gegenüberliegenden Talseite in Grächen tummeln sich im Winter zahlreiche Skitouristen.Tief unten im Tal schlängelt sich die rote Bahn Richtung Zermatt. Die Embder haben schon eine Reihe "Alternativer" kommen - und vor allem gehen - sehen.Wer hier das Bergleben mit neuen Anbaumethoden revolutionieren will, ist fehl am Platz."Wer im Embd Bauer werden will, muß hier geboren sein", sagt einer, der für Wismer aber eine Ausnahme macht.Der höre auf die Leute, frage um Rat und nehme Tips an.Mit so einem könne man gut leben. Wismer hat mit seinem Yaks große Pläne.Seit Anfang Juli ist hier Sherpa Angdortsche zum Arbeitsbesuch.Er soll Wismer das Yakmelken und den Yaks das Trekken beibringen.Wismer will demnächst die ersten Trekking-Touren in die Schweizer Bergwelt organisieren.In diesem Jahr hat er mit dem Ausbau seines Hauses begonnen.Ein Trakt mit Gästezimmern ist fast fertig.Inklusivferien zu erschwinglichen Preisen schweben ihm vor.Milch und Käse liefert der Nachbarbauer, der biologische Gemüsegarten soll die Versorgung sichern.

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