Welt : Ein Butler, der zu viel weiß

Der ehemalige Diener von Prinzessin Diana veröffentlicht unbekannte Briefe – und bringt den Palast in Bedrängnis

Matthias Thibaut[London]

Nicht nur Prinz Philip ist wütend. Doch ist es schwer zu sagen, was die Königsfamilie bei den neuen Enthüllungen am meisten ergrimmt. Ist es der Bericht, wie Butler Burrell die Queen eines Abends in ihrem Privatgemach mit Königskrone und Pelzpantoffeln überraschte? Sind es die bösen Briefe des Earl Spencer an seine „nervenkranke" Schwester, mit der er offenbar keineswegs das beste Verhältnis hatte? Wie Diana Gerüchte in die Welt setzte, Prinz Charles habe das Kindermädchen seiner Knaben, Tiggy Legge-Bourke geschwängert? Oder doch wohl eher die vertraulichen Briefe, die Prinz Philip 1992 an seine Schwiegertochter schrieb: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand, der recht bei Verstand ist, jemand wie Sie für Camilla Parker-Bowles verlassen würde", beruhigte Philip seine Schwiegertochter. Dass dies nun von Burrell im Vorabdruck seines neuen Buches „A Royal Duty – eine königliche Pflicht" ausgeplaudert wird, verdrießt den Buckingham Palast.

Oder sind es etwa doch die plötzlich aufgetauchten Briefe, in denen Diana von „Vorahnungen" über einen Mordanschlag auf sie per Autounfall spricht? Vorabdrucke von Burrells neuem Buch im „Daily Mirror" haben nicht nur den Diana-Mythos einmal mehr zum Leben erweckt. Mit ihm dürfte auch die Fülle der Verschwörungstheorien über ihren Unfalltod wieder auferstehen.

Skeptischer äußerte sich der ehemalige Leibwächter Ken Wharfe, der bei dem Unfall schwer verletzt wurde. In einem gestern im „Guardian" veröffentlichten Kommentar scheint er es nicht gerade für wahrscheinlich zu halten, dass der am intensivsten untersuchte Autounfall des 20. Jahrhunderts, der Dianas und Dodis Leben im August 1997 in einem Pariser Straßentunnel ein Ende setzte, doch eine krumme Sache war. Aber auch er fordert nun „die Untersuchung, die Diana verdient". Die französische Staatsanwalt hatte den Unfall eingehend untersucht. Doch laut einer Blitzumfrage von „Sky TV" glauben neun von zehn Briten, dass Dianas Tod kein Unfall war.

„Hier sitze ich an meinem Tisch und sehne mich nach jemandem, der mich hält und mir Mut gibt, den Kopf hochzuhalten", schrieb Diana in dem vom Butler nun nach Jahren des Schweigens plötzlich herausgegebenen Diana-Brief. „Dies ist die gefährlichste Phase meines Lebens. X (der „Daily Mirror" hat den Namen eingeschwärzt) plant einen ,Unfall’ meines Autos, Versagen der Bremsen und eine schwere Kopfverletzung, damit der Weg für Charles frei ist, wieder zu heiraten." Diana, bemerkt Leibwächter Wharfe, habe doch immer wieder den sechsten Sinn bewiesen. Oder hatte Diana nur einen Verfolgungswahn?

Prinz Philip hat sich ein Vorausexemplar der Butler-Memoiren kommen lassen. Der Penguin Verlag veröffentlicht es nächste Woche in Amerika. Rechtlich ist da wenig zu machen und die Royals sind wohl zu klug, den Butler nach dem Prozessdebakel des letzten Jahres noch einmal in einen Rechtsstreit zu verwickeln – auch wenn er gegen alle Vertraulichkeitsregeln seiner Zunft verstößt. Aber Prinz Philip hat das Copyright seiner Worte und da kann er ja mal nachprüfen, ob sich das Buch an die Regeln hält. Denn ohne ausdrückliche Genehmigung dürfen Penguin und der „Mirror“ nur kurze Auszüge aus seinen Briefen an Diana abdrucken.

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