Welt : Ein gehörnter Italiener läßt sich den Ehebruch seiner Frau bezahlen

Werner Raith

"Der Mann", schwärmt der sonst eher dröge "Corriere della sera", "hat zumindest Humor." Denn mit welcher Phantasie er an die "Lösung" einer sonst in Italien eher mit den Fäusten oder gar mit der Pistole ausgetragenen "Ehrverletzung" herangegangen ist, "heische großen Respekt". Auch wenn der Kreative nun im Gefängnis sitzt.

Der Mann, ein 40-jähriger erfolgreicher Unternehmer aus Forli in der Emilia Romagna, hatte entdeckt, daß seine Frau seit zwei Jahren einen Liebhaber hatte, einen in der 110 000 Einwohnerstadt ebenfalls höchst angesehenen Handwerksmeister. Beide haben kleine Kinder, und, so die Nachbarn, auch sehr hübsche Frauen. "Daß die meine allen den Kopf verdreht", hat der gehörnte Ehemann eingeräumt, "war mir natürlich schon lange klar." So hatte er ihr einen Privatdetektiv nachgeschickt, von diesem Fotos erhalten, und sie dann abgepaßt, als sie von ihrem Liebhaber zurückkehrte.

Leugnen war da unmöglich - und nun lief die "Kreativität" an: Er schloß seine Frau erst mal, ohne Telefon, in ein Zimmer ein, vereinbarte einen Termin mit dem Liebhaber, und stellte ihn "in aller Ruhe und ohne Drohgebärden", wie dieser zugab, vor drei Alternativen: Entweder er zahle ihm 24 Monate lang jeweils umgerechnet 1000 DM - so lange hatte das Verhältnis angedauert. Oder er bringe die Affäre in der Stadt auf, was den Ruin des Handwerksmeisters bedeutet hätte. Oder aber, dritte Alternative: der Handwerksmeister überzeuge seine Frau, nun umgekehrt mit dem Unternehmer zwei Jahre lang ein Verhältnis einzugehen. Offenbar brauchte der Liebhaber einige Tage um sich zu entscheiden. Jedenfalls kam die "Sühne" dann per Abschlagszahlungen in Gang. Und das wiederum wurde dem Unternehmer zum Verhängnis.

Denn der Handwerksmeister hatte sich mit einem Freund beraten, was da zu tun sei, und der hatte, insgeheim, die Polizei informiert. Die stellte dem Unternehmer wiederum nach, bis sie ihn bei der Übergabe einer der monatlichen "Sühneraten" erwischten und festnehmen konnten. Da er weiterhin Diskretion wahren wollte, benachrichtigte die Polizei nicht seinen Vertrauensanwalt, sondern einen beliebigen aus dem Telefonbuch - weshalb bis heute niemand genau weiß, welche der Notablen aus Forli da ihr Spielchen getrieben haben. Die Anklage freilich wiegt nun ziemlich schwer: Erpressung in jedem Fall. Da er aber dem Nebenbuhler auch das "Tauschgeschäft" mit dessen Frau vorgeschlagen hatte, könnte, so ein Sachverständiger in Raiuno, auch noch die "Anstiftung zur Ausbeutung von Prostitution" kommen.

Soweit wird es wohl aber nicht kommen. Denn von der sonst zurückhaltenden Polizei ist auch zu erfahren, daß mittlerweile allüberall Frieden eingekehrt sei: Der Nebenbuhler hat geschworen, die Frau des anderen nicht mehr anzutasten, der Unternehmer hat sich mit seiner Frau ausgesprochen und ist nicht mehr böse, und die Frau will nun auch treu sein - "der Arme", soll sie gesagt haben, "ist doch vor lauter Liebe zu mir sogar ins Gefängnis gegangen".

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