Welt : Ein Goldfisch für Hollywood

„Findet Nemo“ – ein Animationsfilm mit völlig neuer Technik. In den USA bricht er alle Rekorde. Und ist nächste Woche in den deutschen Kinos

Andreas Grosse

Spätestens seit dem vergangenen Sommer dürfte die Zahl 13 Steve Jobs’ Lieblingsziffer sein. Genau so viele Wochen nämlich dauerte es, bis der Mitbegründer und Vorstandschef von Apple in seinem Nebenjob schaffte, was ihm in seinem eigentlichen Metier als Computerbauer und Betriebssystemhersteller vermutlich nie gelingen wird – Jobs ließ einen als unschlagbar geltenden Branchenführer endgültig hinter sich. Diesmal jedoch ging es nicht um den Apple-Erzfeind Microsoft, sondern um computeranimierte Filmbilder: In der 13. amerikanischen Kinowoche überholte „Finding Nemo“, so der Originaltitel des neuesten Werks aus den Trickfilmstudios Pixar, deren Mehrheitsaktionär Jobs ist, den Disney-Streifen „Der König der Löwen“ als bisher erfolgreichsten animierten Film aller Zeiten.

Nachdem der im Mai in den US-Kinos gestartete und noch längst nicht überall auf der Welt angelaufene Streifen bereits mit einem bisherigen Einspielergebnis von rund 400 Millionen Dollar auf Platz acht aller bisher gedrehten Filme avanciert ist, stellte er in der vergangenen Woche auch noch eine Bestmarke in Sachen Video-Verwertung auf – acht Millionen DVDs und Videos sollen von „Finding Nemo“ am ersten Verkaufstag in den USA abgesetzt worden sein.

Der Erfolg des erst fünften Films aus den Pixar-Studios ist zunächst der neuesten Technik geschuldet, die hier zum Einsatz kam. Während der bisher im Kampf um Kinderherzen als unschlagbar geltende Disney-Konzern noch immer die herkömmliche zweidimensionale Zeichentricktechnik für seine Filme bevorzugt, haben die Pixar-Leute bei ihren Streifen von Anfang an auf 3-D-Technologie aus dem Computer gesetzt. Mit „Toy Story“ revolutionierte 1997 bereits der erste Kinofilm des Studios das Trickfilmgenre mit in dieser Perfektion nie zuvor gesehener Computeranimation.

Womöglich aber liegt das eigentliche Erfolgsgeheimnis von Pixar und der wahre Grund, weshalb Disney mit seinen häufig allzu bekannten Märchen zitierenden Werken neuerdings so alt ausschaut, an den guten Ideen. Im Gegensatz zu den Disney-Leuten fallen den Pixar-Drehbuchschreibern originelle Charaktere ein. Etwa Dory, ein Fischweibchen, das den Fischvater Marlin auf der Suche nach seinem Sohn Nemo durch die Meere begleitet. Dummerweise verfügt die im Original von der US-Fernsehikone Ellen DeGeneres und in der deutschen Fassung von Anke Engelke gesprochene Dory über kein Kurzzeitgedächtnis – was zu umwerfenden Szenen zwischen ihr und Marlin führt.

Pikant am Erfolg von „Findet Nemo“, der in der nächsten Woche in Deutschland anläuft, ist allerdings, dass die Trickfilm-Konkurrenten Pixar und Disney derzeit noch durch einen Vertriebsvertrag aneinander gebunden sind: Disney bringt die Filme der vergleichsweise immer noch kleinen Pixar-Studios weltweit in die Kinos. So sorgen die fremden Rekordumsätze von „Findet Nemo“ dafür, dass die nach eigenen Flops wie „Atlantis“ ins Trudeln geratenen Bilanzen des Disney-Konzerns trotzdem erträglich ausfallen. Das aber könnte bereits in zwei Jahren vorbei sein, wenn der Vertriebsdeal ausläuft. Steve Jobs jedenfalls hat bereits angekündigt, sollte es mit Disney zu keiner Vertragsverlängerung kommen, werde er eben mit anderen Hollywood-Studios verhandeln. Keine Frage, dass die in der Kinoflaute liebend gern an Pixar mitverdienen würden.

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