Welt : Ein großes Herz für wilde Tiere

Die achtjährige Bindi will das Werk ihres verstorbenen Vaters, „Krokodiljäger“ Steve Irwin, fortsetzen

Christoph von Marschall[Washington]

Sie wirkt wie eine fröhliche Achtjährige, die blonden Pferdeschwänze links und rechts fliegen lustig, wenn sie den Kopf schüttelt. Wenn sie mit einer hellen Plapperstimme spricht, klingt das so mitteilungsbedürftig wie bei anderen Mädchen ihres Alters. Sie ist es gewohnt, im Mittelpunkt zu stehen. „Ich heiße Bindi und beiße nicht“, war sie vorhin beim Empfang auf andere Kinder zugegangen, die Gäste des National Press Club ausnahmsweise mitbringen durften. Das gelbe Polohemd und der rosa Pulli tragen den Schriftzug Bindi, die breiten Backenknochen verraten den Vater: Crocodile Hunter Steve Irwin, der im September bei Dreharbeiten am Great Barrier Reef vor Australien durch den Stich eines Rochen ins Herz getötet wurde. Ein Medienstar.

Das Mittagessen in Washington ist Teil einer Tour durch die USA, bei der Witwe Terri, 42, eine gebürtige Amerikanerin, und Bindi versprechen, Steves Arbeit fortzusetzen: Tier- und Umweltschutz, den „Australia Zoo“, den Steve aus dem Tierpark im Familienbetrieb seiner Eltern zu einem Unternehmen mit 400 Angestellten gemacht hat, aber natürlich auch die aufsehenerregenden Filme und TV-Shows mit Krokodilen oder den „zehn mörderischsten Schlangen der Welt“. Diese Sendungen hatten Steve zu einem Publikumsliebling weltweit gemacht und den US-Kabelsender Animal Planet binnen weniger Jahre von wenigen hundert Abonnenten zu einem 90-Millionen-Publikum katapultiert. Bindi soll nun die TV-Shows übernehmen.

Der National Press Club lädt sonst Amerikas Spitzenpolitiker und ausländische Regierungschefs oder Präsidenten ein, die Achtjährige ist der jüngste Gast. Erst auf Nachfrage der Mutter bringt der Ober ihr einen Teller Pommes frites statt der Fischfilets an Gemüse für die übrigen Anwesenden. Terri, lange blonde Haare, erzählt im Khakihemd mit der Aufschrift „Australia Zoo“, wie Steve es im Fernsehen stets trug, von den 14 Ehejahren. Sie hatte ihn als Touristin in Australien kennengelernt – ach ja, wie er ist nun auch sie Tourismusbotschafterin Australiens, ein „großartiges Urlaubsziel für 300 Millionen Amerikaner!“ Jeder Tag mit Steve sei ein Abenteuer gewesen, „er hat mich gelehrt, Dinge zu tun, die ich mir nie zugetraut hätte“. Da bricht ihr die Stimme, und man spürt, wie viele Augen im Raum feucht werden. Sie greift zum Holzhammer auf dem Rednerpult, schlägt auf die Platte, gibt sich einen Ruck. „Den Hammer habt ihr hier für die emotionalen Momente?“ Sie strahlt wieder und lenkt den Vortrag auf Bindi, die „seit Kleinstkindtagen in die Fußstapfen des Vaters trat“. Auch im Fernsehen.

Der Jungstar tritt ans Mikrofon, muss auf einen Hocker steigen, um über das Pult zu blicken. Mit hoher Kinderstimme liest Bindi eine anrührende Geschichte vor über „meinen Daddy, der ein spezielles Händchen für Tiere hatte und die Menschen lehrte, die Schlangen zu lieben.“ Mein Vater war ein „wildlife warrior“, ein Krieger für die wilde Tierwelt, „und ich will auch einer werden“. Kämpferisch reckt sie die zur Faust geballte Hand in die Luft, Mutter und Tochter fallen sich in die Arme. Gelegenheit zu Fragen, die auf Zetteln nach vorn gereicht werden dürfen, der Moderator wählt aus, welche gestellt werden.

Zuerst an Bindi. Was magst du am meisten? Die muss nie auch nur eine Sekunde überlegen, ehe sie antwortet. „Oh, ich liebe Crickeys (Krokodile) und Schlangen, weil sie sooo süüüß sind und sooo liebevoll mit ihren Kindern umgehen!“ Hast du keine Angst? „Nein, es ist immer jemand in der Nähe, der mir helfen kann, wie früher mein Daddy.“ Ist sie ein Naturtalent? Sätze wie „I want to get the message out“ sind nicht eben kindgemäß. Wo verläuft die Grenze zwischen natürlicher Direktheit einer Achtjährigen und Dressur fürs Showbiz?

Auch bei Witwe Terri gibt es Momente, wo man nicht weiß: Sind lustige Antworten pures Kalkül, oder überspielt sie mit dem Scherz ihren Schmerz. Was waren ihre liebsten Momente mit Steve? Sie schlägt kurz die Hände vors Gesicht, der halbe Saal erstarrt, als sei die Frage zu persönlich, vier Monate nach seinem Tod. Dann sagt sie grinsend: „Es sind zu viele Kinder im Raum, um es im Detail zu erzählen. Wir hatten viel Spaß.“

Und wie kommen die beiden mit dem Medienrummel zurecht? Da drängt sich wieder Bindi nach vorne. „Ich finde, Journalisten sind wie giftige Schlagen.“ Das muss als Kompliment gemeint sein, denn, wie sie selbst betont, „Giftschlangen sind sooo süüüß“.

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