Welt : „Ein Image ist besser als keines“

Elisabeth Volkmann ist tot. Durch „Klimbim“ wurde sie berühmt. Aber nur Fassbinder erkannte ihre ernste Begabung

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Von Rüdiger Suchsland Die Schauspielerin Elisabeth Volkmann ist am Donnerstagabend in ihrer Wohnung in der Münchner Innenstadt tot aufgefunden worden. Die Tatsache, dass man unmittelbar nach Bekanntwerden der Nachricht einen Selbstmord gestern nicht ausschließen wollte, unterstreicht, dass man bei dieser Darstellerin immer ein bisschen mehr für möglich hielt als bei vielen anderen. Ein schriller Tod nach einem schrillen Leben – das war das, was viele erwarteten. Doch die Obduktion ergab am Nachmittag, dass Elisabeth Volkmann eines natürlichen Todes starb.

Durch „Klimbim“, Michael Pfleghars epochale TV-Klamaukserie von 1973-77 wurde sie berühmt, und als „Ulknudel“, so lautet die fürchterliche Worterfindung aus dieser Zeit, blieb sie seitdem in der öffentlichen Wahrnehmung. Bis zuletzt war sie ihrer damaligen Rolle als straps- und miederbekleidete alternde Schreckschraube Jolanthe von Scheußlich, einer Art Hausfrauenvamp, verhaftet: Noch vor einem Jahr trat sie gemeinsam mit den Kollegen von damals, mit Ingrid Steeger, Horst Jüssen, Wichart von Roëll und Peer Augustinski in einer Boulevardversion in Berlin auf: Mit Fuchspelz und Lockenwicklern, wimpernklimpernd, zwei Töne zu hoch singend, ordinär – eine Schlampe, die weiß, was sie will.

„Ich bin ein scheuer Mensch“, sagte Volkmann von sich selbst, doch das Boulevardeske, Proletarische, Schamlose und manchmal ein bisschen Skandalöse hat sie seit ihren Anfängen begleitet; und fast niemand hat diesen speziellen Hauch von „Stunde Null“ und Wirtschaftswunderdeutschland, der ihr immer anhaftete, wirklich zu schätzen gewusst – außer wieder einmal Rainer Werner Fassbinder, der die Frauen, vor allem wenn sie Schauspielerinnen waren, eben ein bisschen mehr liebte als andere: Gleich dreimal hat er sie in größeren Nebenrollen besetzt, in „Lili Marleen“, „Lola“ und „Die Sehnsucht der Veronika Voss“. Brüchige, verletzliche Figuren spielt sie da und zeigt endlich einmal etwas von dem, was sonst immer hinter dem Klimbim aus viel Puder, schriller Stimme, öffentlichem Image und dünnen Rollen verborgen blieb.

Geboren wurde Volkmann am 16. März 1936 in Essen, obwohl sie später immer darauf bestand, sechs Jahre jünger zu sein. Im Ruhrgebiet aufgewachsen, bekam die junge Frau mit den leuchtend roten Haaren früh eine Gesangsausbildung und wollte ursprünglich Sopranistin werden – wovon später nur gelegentliche Gesangseinlagen in „Klimbim“ übrig blieben. Ende der 50er kamen erste Film-Angebote, und 1960 debütierte sie auf der Leinwand immerhin bei Wolfgang Liebeneiner, in „Eine Frau fürs ganze Leben“. Weitere über 40 Kinofilme, anfangs durchaus anspruchsvolle Unterhaltung, kamen hinzu, auch der eine oder andere Autorenfilm wie Michael Verhoevens „Engelchen macht weiter“. Doch Hauptrollen waren das nicht, und ein wirklicher Durchbruch wollte Volkmann nicht gelingen. Stattdessen trug sie durchaus selbst zu ihrem etwas unseriösen Ruf bei, den sie bis ins Alter nicht los wurde und unter dem sie zeitweise stark litt. Denn zwischen 1970 („Josephine Mutzenbacher“) und 1978 („Hausfrauenreport 6“) war Volkmann einer der Stars der damals boomenden bundesdeutschen Softporno-Industrie und ließ in dutzenden von „Reports“ die Hüllen fallen. „Playboy“-Fotos kamen hinzu, und so war Volkmann sowohl fürs seriöse deutsche Fernsehen wie für die Neo-Puritaner des deutschen Autorenfilms unten durch. Außer für Fassbinder, der etwas genauer hinschaute als der Rest der Kollegen und sah, dass Volkmann mehr konnte, als mit nacktem Hintern in die Kamera zu wackeln.

Nach dessen Tod 1982 war es mit der Filmkunst aber wieder vorbei, und für die nächsten zwei Dekaden hielt Volkmann sich mit Auftritten in Serien wie dem „Traumschiff“, „Derrick“ und „Der Alte“ über Wasser und im Gespräch.

„Ein Image ist besser als keines“, sagte Volkmann einmal. Ihr exaltiertes Auftreten war Schutz und Maskerade, und Volkmanns Privatleben entsprach so gar nicht ihrem schrillen Image: 27 Jahre lang war sie mit dem Senffabrikanten Eberhard Radisch liiert, der sie auch managte und den sie 2001 heiratete. Radisch starb 2004 an Lungenkrebs. Seitdem klagte Volkmann öfters über ihre Einsamkeit. Der Tod der 70-Jährigen beendete eine nicht glückliche, aber besondere Karriere.

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