Ein Jahr nach Fukushima : Erdbebenübung im Schüttelcontainer

Wie die Japaner sich auf Katastrophen vorbereiten – Besuch in einem Bebenkurs in Tokio. Ein Jahr ist es her, dass ein Beben den Tsunami und den GAU auslöste.

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Unter den Tisch kriechen und die Tischbeine festhalten. Katastrophenübung in Tokio.
Unter den Tisch kriechen und die Tischbeine festhalten. Katastrophenübung in Tokio.Foto: AFP

Alles wackelt, rappelt, scheppert. Der Teekessel auf dem Herd zuckelt hin und her und stürzt schließlich über die Herdkante. Weg mit dem Stuhl, ab unter den Küchentisch, auf die Knie, Schulter an Schulter mit den anderen dreien, die gerade eben noch mit am Tisch saßen und quatschten. Ein Erdbeben! Der Tisch hüpft mit – bloß die Beine gut festhalten. Einer kichert. Das Gewackel stoppt.

Ein Feuerwehrmann klatscht in die Hände. Er lächelt. Er ist zufrieden. Einigermaßen jedenfalls. Die Tischbeine hätten ruhig besser festgehalten werden können. Und jemand hätte auch daran denken können, das Gas abzustellen am Herd. Gibt’s nicht wirklich, ist klar, aber wenn es welches gäbe.

Ein Erdbebentraining der Feuerwehr im Tokioter Stadtteil Ikebukuro. Die Küche ist Kulisse, ein Container, der geschüttelt werden kann. So stark, als erschüttere ein Erdbeben der Stärke 6 die Gegend. Zwei japanische Schüler, ein ungarischer Geiger, gerade neu in der Stadt, und eine deutsche Touristin knien gemeinsam unter einem wackligen Tisch in einer Küche, die keine ist, bei einem Erdbeben, das keines ist, mit einem Gasherd, der keiner ist und einem Feuerwehrmann, der daneben steht und anschließend kritisiert und lobt. Auf Japanisch.

Die Katastrophe in Fukushima in Bildern:

Erdbeben, Tsunami, Atomunfall in Japan
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24.05.2011 07:40Die zerstörten Reaktorgebäude 1 und 2 des AKW Fukushima. Bisher hieß es nur in Reaktorblock eins sei es zu einer Kernschmelze...

Kichern ist erlaubt. Die Situation ist schließlich ein bisschen komisch. Aber wie soll man sich vorbereiten auf etwas, von dem man nicht weiß, wann, wie und wo es einem begegnet? Vielleicht also kann man sich gar nicht besser für den Ernstfall Erdbeben wappnen als mit einem eineinhalbstündigen Training im Ikebukuro Life Safety Learning Center.

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