Welt : Ein Lob der deutschen Regulierungswut (Kommentar)

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Zuerst die Kettenreaktion: Aufhorchen, hinsehen, erschrecken; erschüttert sein, Entsetzen zeigen. Dann die bange Frage: Kann das auch hier, kann das auch mir passieren? Jedenfalls kann es immer wieder passieren: untergehende Fähren, abstürzende Flugzeuge, verkeilte Züge, explodierende Firmen - daran ist nicht Neues. Jeder dieser Fälle ist etwas anders als der nächste, und doch ist allen eines gemeinsam: Unser Vertrauen in die Technik, die doch endlich mal funktionieren sollte, und in den Staat, der uns mit seinen Tausenden Regeln zum sicheren Umgang mit eben jener Technik schützen sollte, wird in Zweifel zogen. Vorübergehend. Bis zum nächsten Mal. Auch die Erkenntnis, dass es im Prinzip jeden treffen kann, aber die Wahrscheinlichkeit doch winzig ist, und dass menschlicher Irrsinn oder menschliches Versagen nie auszuschließen sind, gehört zum normalen Ablauf einer jeden Katastrophe. Und damit zurück zur Tagesordnung? Noch nicht ganz. Denn neben dem Typischen hat dieser Fall auch etwas Besonderes. Etwas besonders Erschreckendes. Mitten in der reglementierungswütigen Europäischen Gemeinschaft wird ein gefährliches Lager von Wohnhäusern umstellt. In Deutschland kann das nicht passieren, behaupten prompt die Deutschen. Wirklich nicht? Wir sind vielleicht etwas strenger mit uns als die Holländer. Aber wir wollten es eigentlich nicht mehr sein. Wir wollen deregulieren. Katastrophen wie die von Enschede zeigen, dass es auch sinnvolle Einschränkungen gibt - wenn man ihre Einhaltung kontrolliert.

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