Welt : Ein Meer von Angst

Menge des Pestizids reichte nicht für Gefährdung

Raim,Weible[Sipplingen]

Gift im Trinkwasser – das ist eine der ältesten Ängste der Menschen. Der Brunnenvergifter, der jetzt mit zwei Kanistern Pflanzenschutzmittel ganz BadenWürttemberg in Angst versetzt hat, trifft einen empfindlichen Nerv. Tausende Menschen riefen am Montag in Sorge die Bodensee-Wasserversorgung (BWV) an. Dieses Unternehmen versorgt mit seiner Entnahmestelle am Bodensee fast die Hälfte der zehn Millionen Menschen in Baden-Württemberg.

40 Polizisten durchsuchten gestern ein landwirtschaftliches Anwesen im oberschwäbischen Kreis Ravensburg. Der Hofeigentümer steht im Verdacht, der Täter zu sein, der mit einem Cocktail von Pflanzenschutzmitteln einen Anschlag auf die Trinkwasser-Zapfstelle bei Sipplingen verübt hat. Taucher haben, wie berichtet, auf dem Seegrund in 75 Meter Tiefe zwei Behälter geborgen, die mit Atrazin und anderen Pestiziden gefüllt waren. Der Fundort liegt in der Nähe der Zapfstelle. In der Sekunde fördert diese Anlage 4100 Liter zur Aufbereitungsanlage auf dem Sipplinger Berg. Sie verteilt das Wasser über Fernleitungen bis nach Stuttgart und darüber hinaus.

Am 18. Oktober ging bei der Bodensee-Wasserversorgung in Sipplingen ein anonymer Brief ein. Der Schreiber drohte darin, das Wasser des Bodensees mit Pflanzenschutzmitteln zu verunreinigen. Das Unternehmen und die Gesundheitsbehörden intensivierten daraufhin ihre Wasserkontrollen. Sie stellten im entnommenen Wasser Spuren von Pflanzenschutzmitteln fest, deren Konzentration aber die geltenden Grenzwerte nicht annähernd erreicht hat. Für die Bevölkerung habe nie eine Gefahr bestanden, versicherten die Behörden. „Wir können mit großer Sicherheit konstatieren, dass das Trinkwasser stets einwandfrei war“, sagte Hans Mehlhorn, Technischer Geschäftsführer der Bodensee-Wasserversorgung. Die Staatsanwaltschaft Konstanz ermittelt wegen Gewässerverunreinigung und wegen eines Versuchs gemeingefährlicher Vergiftung. Dem Täter droht eine Haftstrafe bis zu zehn Jahren. Einen Anschlag mit politisch-terroristischem Hintergrund schließen die Ermittler aus. Bei dem Briefeschreiber handele es sich um einen Menschen, „der mit sich und seiner Umwelt nicht klar kommt“, sagte Landrat Tann.

Die Staatsanwaltschaft und die Bodenseewasserversorgung gingen erst gestern an die Öffentlichkeit, nachdem einzelne Medien, darunter der Tagesspiegel, über den Vorfall berichtet hatten. Der Schreiber des Drohbriefs hatte gefordert, die Medien zu unterrichten. Der verdächtige Bauer ist bereits früher auffällig geworden. Er liegt seit langem mit den Behörden im Clinch und hatte schon einmal gedroht, Erdreich und Gewässer zu vergiften. Nach der jetzigen Razzia erklärte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft, die Durchsuchung habe weitere Erkenntnisse ergeben.

Gestern kreuzte wiederum ein Boot der Wasserschutzpolizei auf dem See.

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