Welt : „Ein paar Millionen zu Null“ Star-Regisseur Cameron verteidigt Jesus-Doku

Matthias B. Krause

New York - Die Inszenierung war pompös, der Ort des Treffens bis zuletzt geheim gehalten. Der US-TV-Sender „Discovery Channel“ versuchte am Montag bei der Vorstellung seines neuesten Dokumentarfilms in New York alles, um die Spannung zu steigern. Dabei ist die Kontroverse um „The Lost Tomb of Jesus“ („Jesus verlorenes Grab“) längst in vollem Gange. Grund dafür ist dessen radikale These, die davon ausgeht, dass zehn 1980 in Jerusalem gefundene Sandsteinsärge die sterblichen Überreste von Jesus Christus und seiner Familie enthielten.

„Es hat noch nie einen archäologischen oder physischen Beweis für Jesus’ Existenz gegeben – bis jetzt“, sagte James Cameron bei der Präsentation. Der kanadische Produzent und Regisseur von Filmen wie „Titanic“ und „Terminator“stieß vor zwei Jahren zu dem Projekt, die Regie für den Film, der am Sonntag in den USA gezeigt wird, führte der kanadisch-israelische Dokumentarfilmer Simcha Jacobovici. Cameron wies den Vorwurf zurück, man wolle die Grundlagen des Christentums erschüttern: Es gehe darum, „die wirkliche Existenz dieser Leute zu feiern“. Bevor er eingewilligt habe, als Produzent zu fungieren, habe er gezögert. Doch er sei zu dem Schluss gekommen, „dass ich als Dokumentarfilmer nie Angst davor haben sollte, der Wahrheit nachzugehen“. Was wahr und was Fiktion ist, bleibt jedoch umstritten.

Der Film will beweisen, dass es sich bei der Grabstätte, die 1980 bei dem Bau von Fundamenten für eine Sozialbausiedlung vor den Toren Jerusalems gefunden worden war, tatsächlich um den Ort handelt, an dem Jesus nach seiner der Kreuzigung beigesetzt wurde. Als wichtigster Beleg dienen die Inschriften auf sechs der gefundenen kleinen Sandsteinsärge. Auf einem Deckel soll „Judah, Sohn Jesu“ stehen, laut Film ein Hinweis darauf, dass Jesus einen Sohn zeugte. Die Inschrift „Mariamene“ auf einem anderen Sarg stehe für „Maria Magdalena“. Diese Deutungen sind bei vielen Wissenschaftlern höchst umstritten. Die Schriftzeichen könnten nicht zweifelsfrei entziffert werden, zudem seien Namen wie „Jesus“ und „Maria Magdalena“ damals unter Juden sehr verbreitet gewesen. Einige bezweifeln darüber hinaus, dass alle zehn Sandsteinsärge aus der besagten Grabkammer stammten. Führende Kirchenvertreter wiederum stoßen sich an der Vorstellung, dass ein Sarg für Jesus’ Knochen existieren soll. Das widerspräche der Vorstellung, dass er am dritten Tag nach seinem Tod auferstanden und gen Himmel gefahren ist.

Die Filmemacher geben an, archäologische, forensische und physische Beweise für ihre These zu haben. Er habe als Produzent darauf geachtet, dass alle Fakten dreifach überprüft worden seien, beteuerte Cameron. Bisweilen seien die Funde aber so unglaublich gewesen, „dass man sich selbst in den Arm kneifen musste, um sie zu glauben“. Seiner Ansicht nach sei die Wahrscheinlichkeit, genau diese Kombination der Namen in einer Grabstätte zu finden, „ein paar Millionen zu Null“.

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