Ein patriotischer Akt : Chinese sabotiert Yves-Saint-Laurent-Auktion

Ein Chinesischer Auktionator ersteigerte zwei Tierköpfe bei der Yves Saint Laurent-Auktion, die China als Beutekunst ansieht. Nun weigert er sich, sie zu bezahlen. Der Saint-Laurent-Erbe verlangt Unabhängigkeit für Tibet als Preis.

Bernhard Bartsch[Peking],Hans-Hagen Bremer[Paris]

Ein chinesischer Kunstliebhaber, Cai Mingchao, hat bei der Pariser Auktion von Antiquitäten des verstorbenen Modeschöpfers Yves Saint Laurent den Verkauf zweier Skulpturen verhindert. Er gab für zwei Bronzetierköpfe, die China als Beutekunst zurückverlangt, das Höchstgebot ab – und weigert sich nun zu zahlen. Er habe per Telefon mitgesteigert und bei 31 Millionen Euro den Zuschlag erhalten, sagte Cai, als er am Montag das fünftägige Rätselraten über den siegreichen Bieter beendete. „Ich muss betonen, dass dieses Geld nicht bezahlt werden kann“, sagte der 45-Jährige. Die beiden Bronzeköpfe eines Hasen und einer Ratte stammen aus Pekings kaiserlichem Sommerpalast, der 1860 im Zweiten Opiumkrieg von britischen und französischen Truppen geplündert wurde. Die Zerstörung gilt in China bis heute als Symbol nationaler Schande und ausländischer Feindseligkeit.

Cai will seine Sabotage als patriotische Pflichterfüllung verstanden wissen. „Ich fühle mich geehrt, diese Chance gehabt zu haben“, sagte er. Cai betreibt im südchinesischen Xiamen selbst ein Auktionshaus namens Harmoniekunst International. Gleichzeitig ist er Berater des Fonds für Nationalschätze, einer privaten Stiftung von Kunstsammlern, die sich um die Rückkehr von Raubkunst bemühen.

Bei Christie’s in Paris war am Montag kein Kommentar zu dem Eklat zu erhalten. Nach den geltenden Regeln hat der Erwerber nach der Auktion sieben Tage Zeit, den Preis zu überweisen. Diese Frist läuft am 4. März ab. Pierre Bergé sagte in einem Rundfunkinterview: „Wenn der Käufer nicht zahlt, werde ich beide Tierköpfe bei mir behalten, und ich werde weiter mit ihnen zusammenleben.“ Nach seiner Ansicht hätten die chinesischen Behörden alles unternommen, um die Statuen zurückzuholen. „Ich stelle mir vor, dass sie auf den Käufer entsprechenden Druck ausgeübt haben.“

Bergé hatte speziell für diese Versteigerung eine Gesellschaft Bergé & Partners gegründet, die zusammen mit der französischen Filiale von Christie’s die Auktion der Sammlung organisierte. Bereits im Januar hatte Peking Einspruch gegen die Versteigerung der beiden Tierköpfe erhoben. Dagegen hatte Christie’s, gestützt auf einen „klaren und detaillierten“ historischen Nachweis, geltend gemacht, die Eigentumsrechte an beiden Objekten lägen „einwandfrei“ bei Bergé. Dieser hatte auf die Forderung Pekings erwidert: „Ich bin vollkommen bereit, die beiden Köpfe an China zurückzugeben. Das Einzige, was ich als Gegenleistung verlange, ist, dass China die Menschenrechte garantiert, Tibet die Freiheit gibt und den Dalai Lama einreisen lässt.“ Wenige Minuten vor Beginn der Auktion am 23. Februar hatte ein Pariser Gericht den von einer Gruppe chinesischer Anwälte vertretenen Antrag gegen Christie’s abgewiesen und die Versteigerung damit für rechtmäßig erklärt.

Die beiden Bronzeskulpturen stammen aus einem Ensemble von zwölf Tierköpfen, die den chinesischen Kalender symbolisieren. Der französische Jesuit Michel Benoist hatte sie als Dekoration für einen Brunnen im Sommerpalast des Kaisers (1735–1795) entworfen. Fünf der verschwundenen Tierköpfe – Affe, Büffel, Tiger, Pferd und Schwein – konnte China in den vergangenen Jahren zurückkaufen.

Zu der Plünderung schrieb der im Exil lebende französische Schriftsteller Victor Hugo damals: „Zwei Banditen haben sich die Taschen vollgestopft. Diese beiden Banditen vor der Geschichte sind Frankreich und England. Ich hoffe, dass der Tag kommt, an dem sie diese Beute China zurückgeben.“ Nach staatlichen Angaben Chinas sind seit dem 19. Jahrhundert 1,64 Millionen chinesische Antiquitäten ins Ausland verkauft oder geschmuggelt worden.

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