Welt : Ein Plüschteddy von der Schwester

Christiane Oelrich

Der Elfjährige wurde am Freitag von seiner Familie in der Schweiz empfangenChristiane Oelrich

Für den elfjährigen Raoul ist am Freitag ein zweieinhalb Monate langer Albtraum zu Ende gegangen. Übermüdet aber glücklich fiel der Junge, der in den USA wegen Inzests und sexueller Nötigung angeklagt war, seinen Eltern noch auf dem Rollfeld am Flughafen Zürich-Kloten in die Arme. Die kleine Schwester Sophia (5), die Raoul angeblich sexuell belästigt haben soll, streckte ihrem Halbbruder zum Empfang einen riesigen Plüschteddy entgegen.

Die Eltern hatten den Jungen seit ihrer überstürzten Flucht aus den USA Mitte September nicht mehr gesehen. Der Junge mit der Schweizer und amerikanischen Staatsbürgerschaft war am Mittwoch überraschend ohne Auflagen auf freien Fuß gekommen. Das Gericht in Golden im US-Bundesstaat Colorado hatte das Verfahren gegen ihn wegen Formfehlern eingestellt.

"Wir sind überglücklich", sagte der Stiefvater Andreas Wüthrich anschließend vor der Presse. Die Familie wolle jetzt ihre Ruhe haben. Der Junge hatte den Dutzenden Reportern und Kameraleuten vom Rollfeld aus zugewunken, war bei der Pressekonferenz aber nicht anwesend. Die Familie will sich nach dem Medientrubel der vergangenen Wochen jetzt ins Privatleben zurückziehen.

Die Maschine kam am Mittag in Zürich-Kloten an. Raoul wurde von dem Schweizer Honorarkonsul in Denver begleitet. Er hatte den Jungen in den vergangenen zwei Monaten regelmäßig besucht. Er überreichte dem Stiefvater in Zürich den Schweizer Pass des Jungen. Das Gericht in Golden hatte den Pass eingezogen und nach Einstellung des Verfahrens wieder freigegeben.

Die Familie will sich mit Raoul und seinen drei Schwestern in Churwalden im Schweizer Kanton Graubünden niederlassen. Eine Rückkehr in die USA komme für sie nicht in Frage. Sie hätten kein Vertrauen mehr in die US-Behörden, sagten sie. Andreas Wüthrich, ist Schweizer. Seine Frau Beverly ist Schweizer Abstammung. Raoul solle so bald wie möglich eingeschult werden, sagten die beiden dem Schweizer Fernsehen.

Das Kind solle aber auf jeden Fall von Schweizer Psychologen untersucht werden. Auf Druck der amerikanischen Sozialbehörden war der Junge zuvor in den USA wegen Hyperaktivität und Verhaltensstörungen behandelt worden. Die Eltern glauben jedoch nicht, dass ihr Sohn auffällig ist. "Zu den Schweizer Experten habe ich mehr Vertrauen", sagte Beverly Wüthrich im Fernsehen. Der Umgang der US-amerikanischen Justiz mit dem Jungen hatte weltweite Empörung ausgelöst.

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